PDF und Barrierefreiheit

Das Konzept hinter PDF verstehen: PDF als Datencontainer

Der direkte Zugriff

Das Portable Document Format (PDF) ist ein vielseitiges und weit verbreitetes Datenpräsentations- und Publikationsformat. Es funktioniert als eine Art Datencontainer. So wie Sie Texte und Bilder in das PDF hineinlegen, so stehen Sie dem Leser auch zur Verfügung. Die einzige Voraussetzung seitens des Lesers: eine möglichst aktuelle Adobe Reader Version, die kostenlos zur Verfügung steht. Praktisch können Sie jede Datei, die sich drucken lässt, mit sämtlichen Informationen (Inhalte, Schriften, Farben, usw.) in ein PDF hineinlegen - und so kommt sie auf dem Drucker oder Bildschirm des Lesers auch wieder heraus.

PDF und Barrierefreiheit

Kaum anders verhält es sich bei einem barrierefreien PDF, nur dass weitere Informationen der Originaldatei - Strukturinformationen, Alternativtexte oder Sprachauszeichnungen - berücksichtigt werden müssen, die mit in den Datencontainer hineingelegt werden. Dann ist gewährleistet, dass die Inhalte für alternative Ausgabemedien zugänglich sind, d.h. für Sprachausgaben, Braille-Zeilen und Kleinstbildschirme. Die Barrierefreiheit zielt aber auch auf Nutzergruppen ab, die auf vergrößerbare Texte, das Anpassen von Schrift- und Hintergrundfarben oder ausschließliche Tastaturbedienung angewiesen sind.

Bedeutung der Strukturinformationen (Tags)

Das Vorhandensein von Strukturinformationen - sogenannte "Tags" - ist die technische Voraussetzung für barrierefreie PDF-Dokumente. Die Lesbar- und Zugänglichkeit in Sprachausgaben und auf Braille-Zeilen wird durch Strukturinformationen deutlich verbessert. Sie erlauben es u.a.:

Faktoren, die zusammenspielen müssen

Um bei PDF-Dokumenten eine grundlegende Zugänglichkeit zu erzielen, müssen verschiedene Faktoren zusammenspielen:

Programm zur Übernahme der Strukturen in PDF
Das Erstellen von strukturierten PDF ist bisher nur mit Software von Adobe Systems möglich. Doch selbst mit Adobe-Programmen gibt es unterschiedliche Methoden, PDF-Dokumente zu erzeugen und nur bestimmte Methoden genügen den Anforderungen der Barrierefreiheit.
Mit Microsoft Word 2000 kann über den Plug-In "PDFMaker" (das als Menü "Acrobat" in der Word-Menüleiste erscheint) und über das Acrobat-Programm selbst ein strukturiertes PDF-Dokument erzeugt werden.
Strukturierte Originaldateien
Die Datei, z.B. ein Microsoft Word 2000-Dokument, aus der ein PDF-Dokument erstellt wird, muss strukturierte Inhalte aufweisen. Ein genaues Arbeiten in der Originaldatei erspart aufwändiges Nacharbeiten in Acrobat bei der Erzeugung von Barrierefreiheit. Für das Arbeiten in Microsoft Word 2000 bedeutet das die konsequente Anwendung von Formatvorlagen, um notwendige Strukturinformationen anzulegen.
Erforderliche Software
Für textbasierte Dokumente mit einfachem Layout ergibt sich der beste Workflow im Zusammenspiel von Microsoft Office ab 2000 und Acrobat 7. Ohne das Microsoft Office Paket können strukturierte PDF-Dokumente nur mit Adobe Acrobat ab der Version 5 erzeugt werden. Auch für aufwändigere Layouts muss der Anbieter auf Adobe-Software zurückgreifen: Indesign mit Acrobat 7 für gestaltete Dokumente bzw. Live Cycle Designer mit Acrobat 7 für Formulare.
Screenreader-Kompatibilität
Eine wesentliche Barriere sind PDF-Dokumente für die Nutzer von Screenreadern. Die Strukturen in einem PDF können nur bedingt von den Screenreadern ausgelesen werden. Erst die Version 7 des Adobe Readers (Dezember 2004) unterstützt umfassend die Strukturierung.
Erst die modernen Versionen von Screenreadern sind in der Lage, die von Adobe Reader 7 bereitgestellten Schnittstellen zu den Dokumenten zu nutzen. Eine Version 5.1 des Screenreader JAWS kann auch mit Adobe Reader 7 zusammenarbeiten, kommt jedoch nicht an dieselben Informationen wie JAWS 6.1 (Mai 2005).
Nutzer
Wer etwas erst lernen muss, um es zu nutzen, steht auch vor einer Lernbarriere. Da die Zugänglichkeits-Features vom Adobe Reader von anderen Desktop-Anwendungen erheblich abweichen, ist der Lernaufwand, um Features kennen und nutzen zu können, größer als sonst. Zudem kommt die gängige Praxis, die in der Regel schlecht bis nicht zugängliche PDF-Dokumente liefert.

Für Anbieter von Informationen sind die letzten beiden Faktoren nicht unmittelbar beeinflussbar.

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