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Barrierefreies Webdesign ein zugängliches und nutzbares Internet gestalten

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Intern: Einführung: Barrierefreiheit ist mehr als HTML und CSS — Barrierefreiheit wird gern als technische Angelegenheit gesehen, aber die Technik ist nur die Spitze des Eisbergs.

Surfer-Alltag

Dieser Beitrag wurde in 1998 geschrieben. Zwischenzeitlich ist viel passiert in Sachen "Barrierefreies Webdesign"

Das Internet stellt Informationen schnell, einfach und kostengünstig allen zur Verfügung. Wirklich allen? Nein - für Sehbehinderte sind die täglichen Probleme vielfältig. Dabei arbeiten viele von uns gerade deshalb am Bildschirm, weil hier Kontraste, Farben und Größe von Textvorlagen nach eigenen Bedürfnissen bestimmt werden können. Und im Internet ist die Selbstgestaltung des Erscheinungsbilds dank der vielfältigen Browsereinstellungen erst recht möglich - oder?

Bildschirmfoto: Beispiel einer Bildschirmanzeige mit invertierten Farben (weißer Text auf schwarzem Hintergrund)

Mein täglicher K(r)ampf im Internet sind Farben und Kontraste. Ich bin darauf angewiesen, Blendungen zu reduzieren, d.h. die Hintergrundfarbe darf auf keinem Fall weiß sein. Um eine Vorstellung von meiner Bildschirmanzeige zu bekommen, reicht ein kurzer Blick auf das Farbschema "Kontrast (schwarz)" in der Windows-Systemsteuerung. Für das WWW muss ich weitere Einstellungen im Browser vornehmen. So kann ich lesen: weiß auf schwarz. Soweit so gut.

Mit vielen Hindernissen im Internet muss ich mich dennoch abfinden, ob es nun nicht lesbare Tabellen, kontrastarme Grafiken oder der Verzicht auf Homebanking sind.

Was man weiß auf weiß hat…

Veränderte Farbeinstellungen greifen z.B. bei Netscape nicht auf die Hintergrundfarbe von Tabellen durch. Während mit meinem Farbschema die Vordergrundfarbe immer in weiß verändert wird, verwandelt sich der Tabellenhintergrund nur dann, wenn keine explizite Farbzuordnung im Quelltext angegeben wird.

Bild: Anzeige einer Tabelle mit Microsoft und invertierten Farben. Die Tabelle ist lesbar.

Das Ergebnis ist leider allzu oft weißer Text auf weißem Hintergrund. Dieses Netscape-Problem erzwingt eine Umleitung über ein Textverarbeitungsprogramm und den Aufruf eines Makros. Erst dann werden meine Einstellungen im Browser angenommen. Bei Microsoft entsteht dieses spezielle Problem nicht.

Meine Bank liefert mir eine Seite mit unveränderlich weißem Hintergrund - sowohl unter Verwendung von Netscape als auch von Microsoft. Folge: Meine Bankgeschäfte muss ich auf konventionellem Wege abwickeln.

Grafiken

Grafiken sind oft zu "bunt" oder zu kontrastarm. Manchmal enthalten sie auch Erläuterungstexte oder gar Menüs. Aufgrund der zu geringen Hervorhebung der Texte gehen wertvolle Informationen für Sehbehinderte verloren. Zum Teil ist dieses Hindernis durch eine Alternativtext-Belegung aufgehoben. Jedoch wenn eine Grafik mehrere Links enthält, ist die Erkennung bzw. Unterscheidung der Links kaum möglich. Eine aus meiner Sicht vorbildliche Gestaltung von Grafiken hat z.B. das Kom-in Netzwerk in Thüringen.

Eingabehilfen reichen nicht

Wenn ich den Support eines Herstellers anrufe, wird standardmäßig auf die Eingabehilfen von Windows verwiesen. Dabei sind die Hilfen keine "Komplettlösung", sondern tatsächlich nur Hilfen - oder besser Krücken. Die Lösung für den behindertengerechteren Internetzugang ist bei der Webgestaltung zu finden. Hierfür gibt es übrigens genügend Richtlinien, etwa bei Microsoft.

Ratsuche bei Anbietern von Internetsoftware bleibt meist ergebnislos. Netscape beispielsweise hat mehrere Mails von mir nicht beantwortet. Ein Mitbetroffener sagte mir hierzu: "Netscape spricht nicht mit uns Behinderten." Auch andere Hersteller antworten nicht - und geändert wird dementsprechend nur wenig. Es gibt aber auch — wenige — positive Beispiele. So hat einmal ein Programmierer geantwortet und gesagt, er habe keine Ahnung gehabt, welche Probleme seine Softwaregestaltung bereite.

Blind im Netz: Ein kaum wahrgenommenes Problem

Hindernisse gibt es überall. Dabei ist es im WWW relativ einfach, die reine Information von der Visualisierung zu trennen. Einige Websites bieten eine "Nur Text"-Version ihrer Informationen an. Auch Grafiken finden hier Verwendung, aber stets mit ausführlichem Alternativtext. Frames hingegen sind "verboten". Noch problematischer als Frames sind Javascripts, mit denen die gängigen blindentauglichen (textorientierten) Browser nicht umgehen können.

Um die Öffentlichkeit hierauf aufmerksam zu machen, verleiht in diesem Jahr erstmals der Arbeitskreis "Barrierefreies Internet" des BiGuB-Vereins den "Gordischen Web-Knoten" für vorbildliche Webgestaltung in verschiedenen Kategorien. Nähere Informationen hierzu können bei presse@bigub.com angefordert werden.

Generell fehlt im Internet die Sensibilität für den behindertengerechteren Zugang. Das Internet wird von uns allen genutzt und sollte deshalb für alle zugänglich gemacht werden. Wenn Behinderte eine Seite lesen bzw. bearbeiten können, ist der allgemeine Zugang erst recht gewährleistet - umgekehrt gilt das leider nicht.

Es gibt viele Accessibility-Seiten im Netz, und ich wünsche mir, dass sie zur Kenntnis genommen und allgemein berücksichtigt werden.

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© Jan Eric Hellbusch (2001-2012)