Das Internet ist das primäre Informationsmedium. Ein Medium der Zukunft und ein Medium, in dem heute noch viele Weichen gestellt werden. Es gehört heute zum Etikett einer jeden Organisation, erweiterte Serviceangebote im Internet anzubieten und per E-Mail erreichbar zu sein.
Nur gibt es auf Grund der rasanten Entwicklung in den Web-Technologien oft Schwierigkeiten mit der Kompatibilität, etwa wenn man mit aus technischer Sicht völlig veralteten Browsern modern programmierte Internet-Seiten zu laden versucht. Weitere Aspekte, wie das technisch umgesetzte Layout einer Seite, können bei zeilenorientierten Browsern oder einer geringen Bildschirmauflösung durchaus zusätzliche Unannehmlichkeiten für den Benutzer mit sich bringen.
Auch - oder vielmehr gerade - Fernsehsender und andere Medien bieten ihre Service-Angebote im Internet an und offerieren dort ihren Kunden viele zusätzliche Informationen zu ihrem "eigentlichen" Angebot. Die Möglichkeiten des Einsatzes von Multimedia sind im Internet fast grenzenlos, so scheint es. Allzu oft werden dabei zunächst nur die Massen bedient, und das heißt, die Programmierung hebt auf einen Durchschnitt ab, der mit 90 % beziffert werden kann. Die restlichen 10 %, und dazu gehören auch Sehbehinderte und Blinde, haben oft zunächst das Nachsehen.
Die Anforderungen für öffentlich-rechtliche Fernsehanstalten sind grundsätzlich höher als bei anderen, privaten Sendern. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten sind angehalten, ihren Grundversorgungsauftrag zu erfüllen, der selbstredend auch für ihre Web-Seiten gilt. Für ein Web-Angebot heißt dies, dass keine speziellen Anforderungen an den Browser des Benutzers gestellt werden dürfen, denn nur so ist gewährleistet, dass jeder Benutzer die Seiten abrufen kann und somit die originäre Informationsvermittlung erhalten bleibt.
In einer Pressemitteilung von SR-Online vom 8. November 1999 wurde die neue Gestaltung des Internet-Angebots des Saarländischen Rundfunk bekannt gegeben. Neben den üblichen Hinweisen etwa auf mehr Informationen, neue Service-Angebote, bessere Navigation oder das veränderte Design enthält diese Nachricht etwas Außergewöhnliches. Dort heißt es nämlich: "Die neue SR-Online kann ohne Einschränkungen auch von sehbehinderten und blinden Menschen genutzt werden." Dies war Grund genug für mich, die Web-Seite des
Saarländischen Rundfunks zu besuchen und einen Soll-Ist-Vergleich zu machen.
Auf der Eingangsseite eröffnet sich eine klar strukturierte Internet-Seite. Sie bietet auf einen Blick Nachrichten aus aller Welt, regionale Informationen, französische Meldungen, Wetterberichte, Verkehrsservice und Sportergebnisse. Direkt auf der Homepage werden außerdem die gerade laufenden Sendungen des Saarländischen Rundfunks angezeigt. Ein Klick führt direkt zu den Hintergrundinformationen. Besondere Ereignisse werden ebenfalls bereits auf der Eingangsseite herausgestellt.
Der Test mit dem zeilenorientierten und von vielen DVBS-Mitgliedern verwendetem Browser "Lynx" wurde erfolgreich bestanden. Die Navigation auf der Seite ist dabei sehr gut nachvollziehbar. Technisch gelungen sind vor allem die Server-Side-Includes, d.h. Befehle, die statt vom Browser abgearbeitet werden zu müssen, sozusagen fertig ausgeführt zum Browser geschickt werden. Das Wort "Multimedia" passt hier gut: Fernsehen und gleichzeitig die Hintergründe im WWW lesen.
Die Seiten von SR-Online sind aber keinesfalls perfekt und lassen viel Spielraum für Verbesserungen. Z.B. ist die Gestaltung der Pressemitteilungen mit einer großen leeren Spalte in der Mitte, dem Text ganz rechts, und fragwürdigen Farben nicht besonders ergonomisch gestaltet. Insbesondere die Rubrik "Unser Ding", aber auch die Rubrik "Medien" lassen viel zu wünschen übrig, da hier ein Fenster nach dem anderen innerhalb bereits bestehender Fenster geöffnet werden. Nahezu keines der Bilder hat einen alternativen Text, und die Beschriftungen in den Bildern sind fast unlesbar. Es wird mit ständigem Wechsel der Schriftgrößen gearbeitet. Die Tabellen werden mit "Dummies", d.h. Bilder mit ausschließlich transparenter Farbe, gefüllt.
An dieser Stelle merkt man, wie schwierig es ist, eine wirklich zugängliche Seite zu erstellen. Zur Gestaltung der Seiten mit Tabellen schreibt der Webmaster von SR-Online: " ... Tabellen verwenden wir so, dass bei Textbrowsern der Sinnzusammenhang einzelner Tabellenbereiche ebenfalls noch erfahrbar ist." Die sequenzielle Anordnung von Tabellen ist eminent wichtig für Lynx-Benutzer, aber das Layout dieser speziellen Tabellen, wie oben beschrieben, ist für einen Sehbehinderten durchaus anstrengend. Sehr lobenswert ist die Verwendung von Cascading Style Sheets (CSS), die in den Richtlinien für zugängliche Seiten des obersten Gremiums für das Internet, dem W3-Konsortium, mit einer hohen Priorität versehen werden, jedoch viel zu wenig beachtet werden. Leider entsteht bei SR-Online trotz der Verwendung dieser Sprachelemente der Eindruck, dass diese Möglichkeiten der Gestaltung überreizt wurden.
Fazit: Insgesamt ist zu begrüßen, dass die Webgestalter auch die Verwendung veralteter Browser als kleinsten gemeinsamen Nenner berücksichtigt haben. Wenn man die Preisverleihung des "Gordischen Webknoten" in Dezember 1999 als Maßstab der Dinge nimmt, dann befindet sich die Homepage des Saarländischen Rundfunks im guten Mittelfeld. Es gibt deutlich schlechtere Seiten, aber besonders sehbehindertenfreundlich ist diese Seite nicht!
Eine letzte Anmerkung sei mir noch erlaubt: Es wäre unfair, den Webdesignern von SR-Online vorzuenthalten, dass das Webangebot des ZDF (zdf.msnbc.de) vom BiGuB e.V. den
Webknoten 1999 für das schlechteste Webangebot aus dem öffentlich-rechtlichen Bereich erhalten hat.
Weiterführende Informationen:
Lesen Sie,
warum ich mich an die Standards halte und warum das Layout mit
Cascading Style Sheets statt Tabellen oder Frames gestaltet wurde. Sollten Sie Probleme mit dem Layout haben, so finden Sie in der
Liste standardkonformer Browser Links zu entsprechenden Download-Seiten.
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