In den Anfangszeiten des Internet waren es begabte Programmierer und Gelehrte an Hochschulen, die das Internet benutzten. Seit Anfang der 90er Jahre findet der Teilbereich "Web" des Internets ein immer breiteres Publikum. Es sind nicht mehr alleine die Hochintelligenten, Analytiker und Computer-Freaks, die das Web benutzen. Heute kann fast jeder ins Internet.
So gesehen, müssen Inhalte für ein sehr breites Publikum verständlich gemacht werden. Es geht um Formulierungen und Gliederungen von Artikeln und sonstigen Informationen. Und es geht um die Verständlichkeit von Navigation und anderen Funktionen in einem Webauftritt. Nicht zu vergessen sind Formulare, die für das Einkaufen und Ähnliches im Internet verwendet werden.
In diesem Artikel werden wir vor allem die Verständlichkeit von Text genauer beschreiben.
Es ist wichtig, dass Informationen auf Ihrem Webauftritt von möglichst vielen verstanden werden. Das Web ist nämlich für alle frei zugänglich. Jeder
kann die Inhalte Ihres Webauftrittes aufrufen.
Grundsätzlich sollten Sie versuchen, bei der Gestaltung von Texten für Ihren Webauftritt auf komplexe Sätze und zu viele Fremdwörter zu verzichten. Die Verständlichkeit ist sicher eine der wichtigsten Anforderungen. Denn: Sie können als Verfasser eines Textes die Lesefähigkeiten Ihrer Besucher nicht kennen!
Nach
Bedingung 14.1 der BITV sollen Texte in der einfachsten und klarsten Sprache verfasst werden. Die Bedingung ist sehr unpräzise formuliert und Methoden zur Überprüfung der Verständlichkeit werden in dieser Verordnung nicht vorgestellt.
Deswegen sollen im folgenden Merkmale der Verständlichkeit nach dem "Hamburger Verständlichkeitskonzept" erläutert werden. Mit diesen Merkmalen ist es möglich, einen Text nach seiner allgemeinen Verständlichkeit zu beurteilen. Diese Methode lässt sich auf beliebige Texte anwenden - auch auf Texte im Web. Wenn Ihr Text gut verständlich geschrieben ist, dann tragen Sie zur Barrierefreiheit der Inhalte bei.
Das "Hamburger Verständlichkeitskonzept" beschreibt die Verständlichkeit eines Textes anhand der folgenden vier Merkmale:
Diese vier Merkmale werden auch als "Verständlichmacher" bezeichnet.
Jeder der vier Verständlichmacher lässt sich anhand von konkreten Eigenschaftspaaren beschreiben. So gehören zum Verständlichmacher "Einfachheit" beispielsweise die Eigenschaftspaare "einfache Darstellung - komplizierte Darstellung" oder "geläufige Wörter - ungeläufige Wörter". Die Verständlichkeit eines Textes beurteilen Sie anhand dieser Eigenschaftspaare.
Weiter unten in diesem Artikel finden Sie vier Tabellen für die vier Verständlichmacher. Betrachten Sie die einzelnen Zeilen der Tabellen, so finden Sie am Rand links und rechts die Eigenschaften, die als Paar zusammengehören.
Wenn ein Text (nahezu) alle Eigenschaften der linken Spalte aufweist, dann bekommt der Text die Bewertung "++"; wenn (nahezu) alle Eigenschaften der rechten Seite zutreffen, bekommt der Text die Bewertung "- -".
Dazwischen liegen drei weitere Bewertungsmöglichkeiten:
| ++ | + | 0 | - | -- |
|---|---|---|---|---|
| (nahezu) alle Eigenschaften der linken Seite treffen zu | die Eigenschaften der linken Seite überwiegen. | die Eigenschaften der linken und rechten Seite halten sich die Waage, | die Eigenschaften der rechten Seite überwiegen. | (nahezu) alle Eigenschaften der rechten Seite treffen zu |
Wie Sie nun vorgehen können, um die Verständlichkeit eines Textes zu bewerten, ist relativ leicht nachzuvollziehen:
| ++ | + | 0 | - | -- | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| einfache Darstellung | komplizierte Darstellung | |||||
| kurze, einfache Sätze | lange, verschachtelte Sätze | |||||
| geläufige Wörter | ungeläufige Wörter | |||||
| Fachwörter erklärt | Fachwörter nicht erklärt | |||||
| konkret | abstrakt | |||||
| anschaulich | unanschaulich |
| ++ | + | 0 | - | -- | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| gegliedert | ungegliedert | |||||
| folgerichtig | zusammenhangslos, wirr | |||||
| übersichtlich | unübersichtlich | |||||
| gute Unterscheidung von Wesentlichem und Unwesentlichem | schlechte Unterscheidung von Wesentlichem und Unwesentlichem | |||||
| roter Faden bleibt sichtbar | man verliert oft den roten Faden | |||||
| alles kommt schön der Reihe nach | alles geht durcheinander |
| ++ | + | 0 | - | -- | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| zu kurz | zu lang | |||||
| aufs Wesentliche beschränkt | viel Unwesentliches | |||||
| gedrängt | breit | |||||
| aufs Informationsziel konzentriert | abschweifend | |||||
| knapp | ausführlich | |||||
| jedes Wort ist notwendig | vieles hätte man weglassen können |
| ++ | + | 0 | - | -- | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| anregend | nüchtern | |||||
| interessant | farblos | |||||
| abwechslungsreich | gleich bleibend neutral | |||||
| persönlich | unpersönlich |
So kommen Sie zu einer Gesamtbewertung der Verständlichkeit eines Textes. Überprüfen Sie jedoch noch einmal, ob Sie bei der Bewertung nicht in eine der beiden oben beschriebenen Fallen getappt sind!
Das Optimum für die Verständlichkeit ist wie oben bereits erwähnt, nicht immer "++"! Dabei liegt das Optimum für die beiden ersten Merkmale bei "++" und für die anderen beiden bei "0". Wenn die beiden letztgenannten Verständlichmacher jeweils mit "+" bewertet werden, kann ebenfalls von einem Optimum gesprochen werden.
Das Gesamtergebnis für die Verständlichkeitsbeurteilung (hier mit den Optimalwerten für jedes Merkmal) lässt sich wie folgt darstellen:
| Einfachheit ++ | Gliederung / Ordnung ++ |
| Kürze/Prägnanz 0/+ | Anregende Zusätze 0/+ |
Bei der Gesamtbewertung für einen Text müssen Sie weiter berücksichtigen, dass die Merkmale "Einfachheit" und "Gliederung und Ordnung" für die Verständlichkeit ausschlaggebend sind. "Kürze und Prägnanz" und "Anregende Zusätze" sind ebenfalls wichtige Merkmale, sie vermögen jedoch auch im Optimum einen Mangel in den beiden Merkmalen "Einfachheit" und "Gliederung/Ordnung" nicht auszugleichen! So wird ein Text, der bei "Einfachheit" und "Gliederung/Ordnung" mit einem "-" oder "0" bewertet worden ist, schlecht verständlich sein, auch wenn die beiden anderen Merkmale im Optimum liegen.
Sie brauchen Erfahrung, um Texte nach deren Verständlichkeit zu beurteilen. Es lohnt sich auch für Webredakteure, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.
Einen Literaturtipp haben wir für Sie:
Sich verständlich ausdrücken
I. Langer / F. Schulz von Thun / R. Tausch
Ernst Reinhard Verlag, 7. Auflage, München, 2002
In diesem Buch erfahren Sie mehr zur Bewertung der einzelnen Verständlichmacher. Das Buch ist als Übungsbuch für die Selbst-Aneignung geschrieben und bietet viele Textbeurteilungsaufgaben mit dazugehörigen Vergleichslösungen.
Dieser Beitrag wurde von
Jan Eric Hellbusch und Karen Zoller in November 2004 verfasst.
Hellbusch ist Autor der beiden gleichnamigen Titel "
Barrierefreies Webdesign". Mit "2bweb.de" bietet er
Schulung und Beratung für barrierefreies Internet.
Lesen Sie,
warum ich mich an die Standards halte und warum das Layout mit
Cascading Style Sheets statt Tabellen oder Frames gestaltet wurde. Sollten Sie Probleme mit dem Layout haben, so finden Sie in der
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