Anhand der vorgestellten Schemata ist ersichtlich, dass mehrere Rollen beim Erstellen eines Web-Auftritts beteiligt sind. Um wirklich barrierefreie Web-Sites erarbeiten zu können, muss schon bei der Konzeption das Wissen und das Problembewusstsein vorhanden sein und einfließen. Jede einzelne Rolle muss seinen Beitrag zur Barrierefreiheit leisten und die Vorgaben und Ratschläge der WCAGs bzw. BITV in seine Arbeit einbeziehen und umsetzen.
Da die jeweiligen Aufgaben rollenspezifisch verteilt sind, muss sich auch jede Rolle die entsprechenden Qualifikationen eineignen und im folgenden sollen diese vorgestellt werden.
Um Internetseiten aufzusuchen und daraus für ihn geeignete Informationen zu finden, braucht der Endbenutzer auf jeden Fall Grundwissen in Bezug auf das Internet, dem Umgang, der Suche und Navigation von und in Web-Sites. Gerade für Menschen mit Behinderungen sind daher Kurse über die Internetnutzung wichtig, vor allem weil sie besondere Bedürfnisse bezüglich der Darstellung und Handhabung von Hypertext-Dokumenten haben.
Eine Umfrage mit Teilnehmern, die größtenteils mit Behinderungen oder Einschränkungen leben, ergab, dass diese Gruppe von Internetnutzern einen großen Bedarf an Aus- und Weiterbildung, Schulungsangeboten und Selbsthilfegruppen zum Thema "Internet" haben. Über die Hälfte der Befragten gab an, dass zu wenig Informations- und Schulungsangebote zur Verfügung stehen.
Eine weitere wichtige behindertenspezifische Barriere stellt die zu schwierige Einrichtung des Computers und Software dar [
55]. In diesem Bereich sind also die Hilfestellungen nicht ausreichend bzw. wurden die Bedürfnisse der Zielgruppe nicht genügend berücksichtigt.
Hier müssten mehr Schulungsangebote insbesondere für die Personengruppen, aber auch für Senioren und Kinder, zur Verfügung stehen, die vielleicht in die Schule, Jugendarbeit, Freizeiteinrichtungen, Behindertenschulen und andere allgemeinnützige Vereine eingegliedert werden sollten.
An dieser Stelle stellt sich der Kostenfaktor wieder in den Raum:
50].Des Weiteren muss bei behinderten Internetnutzern der Umgang mit den Hilfsmitteln erlernt werden, denn fast 30 % derer sind auf technische Hilfen angewiesen [
55]. Außerdem sind dringend Kenntnisse über die Einstellmöglichkeiten der Betriebssysteme und Zugangssoftware erforderlich, damit die Nutzer je eine für sich optimierte Darstellung erzielen, da nicht alle möglichen Bedürfnisse vom Gestalter und Programmierer abgefangen werden können.
Kurse für die Endbenutzer sind also gewünscht und erforderlich, denn der Umgang mit den neuen Medien muss erlernt werden, damit jeder seine Vorteile daraus ziehen kann.
Schon der Autor muss ein Bewusstsein für Hindernisse und Barrieren im Internet entwickeln und die Inhalte zum einen an das Medium Internet anpassen und zum anderen an die jeweils angesprochene Zielgruppe.
Überlegungen zu:
müssen getroffen und möglichst so umgesetzt werden, dass sie für eine breite Menge von Zielgruppen verständlich und zugänglich sind.
Die Aufgabe des Autors ist es, die Informationen so verständlich wie möglich zu gestalten und dazu ist auch Verständnis von Verständigungs-, Aufnahme- und Konzentrationsproblemen von Menschen im Allgemeinen und bei bestimmten Behinderungen nötig.
Der Gestalter einer Web-Site ist für die Auswahl, Anordnung und Darstellung der einzelnen Bildschirmelementen und deren Wahrnehmbarkeit verantwortlich. An dieser Stelle muss das Kompromiss zwischen dem geforderten Corporate Design, der Bildschirmgestaltung und der barrierefreien Gestaltung gefunden und unter anderem Kenntnisse über folgende Punkte eingebracht werden:
Hier muss außerdem über die Gestaltung und Umsetzung anderer Medien für die Vermittlung der Inhalte und deren Alternativen nachgedacht und dafür gesorgt werden, dass z.B. auch bei Farbinvertierung die Inhalte und Medien erkennbar und wahrnehmbar bleiben.
Die Designer brauchen also vor allem Kenntnisse über die Wahrnehmung des Menschen und über mögliche Zugangsarten von Menschen mit Behinderungen, die mit bestimmten Sinnen Informationen aufnehmen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Inhalte auch über andere Sinnesorgane wahrnehmbar und zugänglich sind.
Die meisten Problemfelder sind der Rolle des Programmierers zugeordnet worden. An dieser Stelle im Prozess sind auch die meisten Qualifikationen und das meiste Wissen erforderlich, um barrierefreie Web-Auftritte erstellen zu können.
Folgende Kenntnisse sind hier besonders wichtig:
Der Programmierer muss vor allem die technische Zugänglichkeit und die Umsetzung der Vorgaben von Autor und Designer gewährleisten. Außerdem muss er die Verordnungen, Standards und Hinweise der W3C kennen und umsetzen.
Diese Rolle sollte die praktische Zugänglichkeit der erstellten Web-Auftritte auf verschiedenen Plattformen und Browsern testen, ebenso wie hier auf jeden Fall die Evaluationen mit den automatisierten Validierungstools durchgeführt werden sollten. Bei früh stattfindenden Tests mit Personen der Zielgruppe kann eventuell noch das Konzept des Auftritts angepasst bzw. geändert werden.
Wichtig ist auf jeden Fall, dass der Programmierer nicht eine extra Textversion als "barrierefreie" Alternative erstellt und in der "allgemeinen" Web-Site alle möglichen technischen Spielereien umsetzt. Barrierefrei heißt nicht für Blinde und Sehbehinderte optimiert und es widerspricht dem Ziel des "Web for All" bzw. "Design for All", wo auch ein wichtiger Teil der Integration von behinderten Menschen in unsere Gesellschaft stattfindet. Barrierefrei heißt "EINE Seite für Alle" und damit mehr Zugänglichkeit für alle Internetnutzer [
50].
Die Seite der Auftraggeber wurde so noch nicht beleuchtet, spielt aber im Entstehen einer Web-Site eine wichtige Rolle.
Hier fehlt größtenteils die Sensibilisierung für die Probleme, die entstehen können. Es müssen Überzeugungen, Interessen und Verständnis geschaffen werden, denn wenn momentan barrierefreie Web-Auftritte in Auftrag gegeben werden, geschieht dies selten aus Überzeugung, sondern aus der Gesetzespflicht heraus [
50]. Die Auftraggeber müssen aber den Auftrag für barrierefreie Web-Sites geben, Kosten einplanen und den Mehrwert solcher Auftritte kennen.
Um das öffentliche Bewusstsein für Probleme von Menschen mit Behinderungen und deren Chancen vor allem mit und durch die Informationstechnologie zu fördern, sollte die Problematik der Barrierefreiheit, deren Grundsätze und Möglichkeiten in die Aus- und Weiterbildung und in die Schulungen von Web- Designern, Programmierern und Autoren bzw. Redakteure integriert werden. Hier kann z.B. im Bereich der Gestaltung auf Farbfehlsichtigkeiten hingewiesen werden oder die Programmierer dazu geschult werden, auch immer alternative Zugangswege zu den Informationen bereitzustellen.
Gerade im Bereich der barrierefreien Web-Gestaltung ist ein Mangel an Erfahrungen beim Erstellen barrierefreier Web-Auftritte und ein Mangel an Fachkräften und Fachwissen zu verzeichnen. Mit den kommenden Landesgleichstellungsgesetzen müssen auch immer mehr barrierefreie Web-Sites erstellt werden und somit sind Erfahrungen und Wissen in diesem Gebiet eine Investition in die Zukunft. Wenn die kommerziellen Web-Agenturen feststellen, dass mit barrierefreien und sauberen Web-Auftritten längerfristig eine Kostenreduktion einhergeht, wird der Bedarf an Fachkräften und Erfahrungen steigen.
Wichtig ist, dass sowohl erfahrene als auch angehende Webdesigner und andere verwandte Berufsgruppen für die Problematik sensibilisier werden, um so in Zukunft sowohl Barrieren für Menschen mit Behinderungen als auch die Barrieren bei der Erstellung barrierefreier Web-Sites abbauen und verhindern zu können.
Soft- und Hardwareentwickler sollten ebenso damit angesprochen werden, denn auch sie tragen erheblich dazu bei, Barrieren in der Informationstechnologie ab- oder aufzubauen. Ingesamt müsste also der Bereich der Mensch- Maschine- Interaktion, Probleme dabei und deren Lösungsmöglichkeiten besonders für Menschen mit Behinderungen stärker ausgebaut werden. Des Weiteren sollte in Aus- und Weiterbildung verstärkt auf die Standards und Spezifikationen des W3Cs und anderer Organisationen hingewiesen und damit gearbeitet werden.
Wie sich gezeigt hat, ist das größte Problem bei der Erstellung barrierefreier Web-Auftritte die mangelnde Sensibilisierung für die Bedürfnisse derer, die eben nicht alle Sinne oder Körperteile "normal" einsetzen können. Gerade in der Informatikbranche kann sich kaum jemand vorstellen, das und wie beispielsweise Blinde das Internet nutzen können. Hier muss vor allem in Aus- und Weiterbildung ein Bewusstsein geschaffen werden.
In der Mailing-Liste wird immer wieder erörtert, wie ein größeres öffentliches Interesse und Bewusstsein geschaffen werden kann. Barrierefreiheit muss mehr publik werden, damit es mehr barrierefreie Web-Sites gibt. Hier ist eben auch die Konformitätsprüfung ein Problem, denn wegen nicht-objektiv prüfbarer Kriterien kann sich so manche Web-Präsentation mit einem Konformitätslogo schmücken, aber die Grundsätze und Regeln nur halbherzig oder unvollständig umsetzen. Da sie aber oft praktisch nicht zugänglich sind, wirft es auch kein gutes Licht auf das Thema Barrierefreiheit und deren Verfechter [
50].
Ein weiteres Hindernis zum Umsetzen der Richtlinien kann die mangelnde Unterstützung der für die bessere Zugänglichkeit geschaffenen Tags und Attribute seitens der Benutzeragenten sein. Auf deren Seite muss es auch mehr Bemühungen in diese Richtung geben. Des Weiteren muss sowohl der Nutzen für Menschen mit Behinderungen als auch für alle Internetnutzer und die kommerziellen Vorteile z.B. durch bessere Auffindbarkeit der Web-Sites über Suchmaschinen ausgebaut und mehr in den Vordergrund gerückt werden.
Alle Personen, die an der Erarbeitung eines Web-Auftritts mitwirken, müssen sich mit dem Thema Barrierefreiheit und den dazu vorliegenden Standards und Richtlinien auseinandersetzen und diese umsetzen. Dazu muss diese Problematik in die Aus- und Weiterbildung sowie in die Öffentlichkeit getragen und deren Vorteile für alle aufgezeigt werden, denn die Lobby der Menschen mit Behinderungen ist nicht sehr groß und die wenigsten Nicht-Behinderten kommen mit ihnen direkt in Kontakt, um sich mit deren Probleme zu befassen.
Lesen Sie,
warum ich mich an die Standards halte und warum das Layout mit
Cascading Style Sheets statt Tabellen oder Frames gestaltet wurde. Sollten Sie Probleme mit dem Layout haben, so finden Sie in der
Liste standardkonformer Browser Links zu entsprechenden Download-Seiten.
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