Barrierefreies Webdesign ein zugängliches und nutzbares Internet gestalten

Die vier Prinzipien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 geschrieben von Jan Hellbusch (2008)zuletzt bearbeitet in 2021

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 sind ein Webstandard des W3C aus dem Jahr 2018 und sollen die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Webseiten, Nicht-Web-Dokumenten und Software für Menschen mit Behinderungen sicherstellen. Die Richtlinien sind Grundlage für gesetzliche Vorgaben in vielen Ländern der Welt – auch in Deutschland. Der in Deutschland durch öffentliche Stellen mindestens zu erfüllende Standard ist die EN 301549 v2.1.2, die wiederum die WCAG 2.1 referenziert.

Die WCAG 2.1 sind technikneutral formuliert, schließen neben Anforderungen an Code weitergehende Aspekte wie Gestaltung, Prozesse, Multimedia oder Text ein und werden ergänzt durch unzählige erläuternde Dokumente. Die WCAG 2.1 ist anwendbar auf Web, Nicht-Web-Dokumente und Software. Gegenüber der WCAG 2.0 enthalten die WCAG 2.1 17 neue Kriterien, die vor allem die mobile Nutzung sowie die Nutzung durch sehbehinderte oder lernbehinderte Personen betreffen.

Die WCAG 2.1 sind pyramidenartig aufgebaut und umfassen vier Ebenen:

  1. 4 Prinzipien
  2. 13 Richtlinien
  3. 78 Erfolgskriterien
  4. unzählige Techniken

Die ersten drei Ebenen sind normativ und stellen ein stabiles Fundament der Richtlinien dar. Die Techniken sind hingegen informativ und werden regelmäßig aktualisiert und erweitert.

Die WCAG 2.1 geben darüber hinaus fünf Konformitätsbedingungen vor, die Webseiten in jedem Fall erfüllen müssen. Nach der EN 301549 sind die Konformitätsbedingungen nur für Webseiten einzuhalten.

Prinzipien

Die vier Prinzipien der WCAG 2.1 stellen die Basis der Richtlinien dar:

Richtlinien

Den vier Prinzipien der WCAG 2.1 sind 13 Richtlinien zugeordnet, welche die Grundziele für die Erstellung barrierefreier Webinhalte bilden. Diese Richtlinien sind unabhängig von konkreten Techniken (wie zum Beispiel in HTML, CSS oder PDF) formuliert. Damit sollen sowohl aktuelle als auch zukünftige Techniken im Web barrierefrei umgesetzt werden können.

Es gibt viele Richtlinien zur Nutzbarkeit von Webinhalten. In der WCAG 2.1 werden nur solche Richtlinien formuliert, die die Zugänglichkeit und die Nutzbarkeit durch Menschen mit Behinderungen betreffen. Die Richtlinien sollen sicherstellen, dass Inhalte für möglichst viele Nutzer zugänglich sind und dass Inhalte entsprechend den Fähigkeiten behinderter Nutzer angepasst werden können. Die Richtlinien stellen das Management Summary der WCAG 2.1 dar.

Erfolgskriterien

Die 13 Richtlinien der WCAG 2.1 werden weiter unterteilt in 78 Erfolgskriterien, und erst diese Erfolgskriterien bieten konkrete Handlungsanweisungen für eine barrierefreie Umsetzung. Die Erfolgskriterien sind vielseitig einsetzbar, zum Beispiel für Webinhalte oder beliebige Dokumente; sie sind aber auch dafür geeignet, in ein Pflichtenheft oder ein Testverfahren eingesetzt zu werden.

In den WCAG 2.1 wird jedes Erfolgskriterium durch zwei Links ergänzt, die auf erläuternde Dokumente verweisen. In den erläuternden Dokumenten sind unter anderem folgende Inhalte zu finden:

Die Erfolgskriterien werden drei Konformitätsstufen zugeordnet: Konformitätsstufe A (30 Erfolgskriterien), Konformitätsstufe AA (mit weiteren 20 Erfolgskriterien) und Konformitätsstufe AAA (alle 78 Erfolgskriterien). Die EN 301549 gibt als Mindestanforderung für digitale Barrierefreiheit vor, dass Webseiten, Nicht-Web-Dokumente und Software den Erfolgskriterien auf Konformitätsstufe AA, also insgesamt 50 Erfolgskriterien, genügen müssen. Für Nicht-Web-Dokumente und Software gibt es einige wenige Abweichungen.

Techniken

Die Techniken der WCAG 2.1 sind im Gegensatz zu den Prinzipien, Richtlinien und Erfolgskriterien informativ. Indem die Techniken von dem normativen Teil gelöst sind, ist es möglich, die Maßnahmen für ein barrierefreies Webdesign an den technischen Fortschritt und anderen Entwicklungen anzupassen. So können auf der einen Seite die Techniken verfeinert und inhaltlich ergänzt werden und auf der anderen Seite auf weitere Formate und Sprachen ausgedehnt werden.

Die Techniken werden in den erläuternden Dokumenten eines Erfolgskriteriums aufgelistet. Die Techniken werden dabei nach ausreichenden und empfohlenen Techniken unterschieden:

  1. Die ausreichenden Techniken sind Techniken, die ein oder mehrere Erfolgskriterien sicher genügen. Gleichzeitig ist die Liste der ausreichenden Techniken nicht erschöpfend, das heißt, andere, nicht-dokumentierte Techniken können einem Erfolgskriterium ebenfalls genügen.
  2. Es werden auch empfohlene Techniken aufgeführt. Diese Techniken reichen in der Regel nicht aus, um einem Erfolgskriterium zu genügen, können aber die Barrierefreiheit trotzdem fördern. Warum die empfohlenen Techniken nicht ausreichende Techniken sind, kann verschiedene Gründe haben:
    • Die Techniken können den Anforderungen eines Erfolgskriteriums nicht vollständig genügen.
    • Die Techniken sind nicht (technisch) überprüfbar.
    • Die Techniken bauen nur in bestimmten Situationen Barrieren ab, in anderen Situationen können Sie die Barrierefreiheit eventuell sogar einschränken.

Die einzelnen Techniken sind nicht an ein einziges Erfolgskriterium gekoppelt. Einige Techniken sind gleich für mehrere Erfolgskriterien einsetzbar. Entscheidend für die Konformität ist aber, dass die Erfolgskriterien erfüllt werden, nicht welche Technik eingesetzt wird.

Schließlich werden Fehlertechniken für einzelne Erfolgskriterien aufgeführt. Wenn diese Techniken umgesetzt werden, kann mindestens ein Erfolgskriterium nicht genügt werden. Die Fehlertechniken sind deshalb zu vermeiden.

Konformität

Die WCAG 2.1 bestimmt mit den Erfolgskriterien, welchen Anforderungen einzelne digitale Inhalte genügen müssen. Für Webseiten werden darüber hinaus fünf weitere normative Anforderungen festgelegt, die bei der Bewertung der Barrierefreiheit beachtet werden müssen. Diese Konformitätsbedingungen stellen einen Rahmen dar, eine möglichst objektive und transparente Aussage zur Barrierefreiheit treffen zu können.