Wie geht man mit Flash um?

Mittlerweile bieten die Techniken zur WCAG 2.0 eine ganze Reihe Extern, englischsprachig: dokumentierter Techniken zu Adobe Flash.

Flash 6 mit Accessibility-Features

Screenshot der Eingabehilfe in Macromedia Flash MX Accessibility-Panel

Die umfangreiche Unterstützung für barrierefreie Flash-Movies können im Wesentlichen über das Dialogfenster in Flash-Objekten eingegeben werden. Das Dialogfenster ist in der Menüleiste über Fenster Eingabehilfen bzw. direkt mit dem Tastaturbefehl ALT+F2 erreichbar.

Reine Textinformationen in Flash-Movies (statisch oder dynamisch) werden automatisch vom Flash-Player an die assistive Software weitergeleitet. Hier ist also keine besondere Bearbeitung durch den Designer notwendig.

Mit dem Dialogfenster ist es möglich Grafiken alternative Texte zuzuordnen, die durch die MSAA-Schnittstelle von Screen-Readern ausgewertet werden können. Hier ist, äquivalent zu den alt- bzw. longdesc-Attributen in HTML, die Angabe einer kurzen (Eingabefeld "Name") bzw. längeren Beschreibung (Eingabefeld "Beschreibung") möglich.

Zudem ist es möglich Objekte zu gruppieren und ihnen einen gemeinsamen Alternativtext zu geben oder bestimmte Objekte komplett auszublenden.

Formularelemente und Buttons werden automatisch von der Software erkannt. Bezeichnungen der Kontrollfelder und Eingabefelder werden einander sogar automatisch zugeordnet wenn sie sich in räumlicher Nähe befinden. Jeder Schaltfläche kann ein alternativer Tastaturbefehl zugeordnet werden. Komplexe Formularelemente wie Auswahllisten werden leider noch nicht unterstützt.

Ein weiterer Aspekt, der die Zugänglichkeit von Flash-Filmen fördert, ist momentan leider nicht über das Dialogfenster, sondern nur mittels ActionScript realisierbar. Wie in HTML/JavaScript ist es nun möglich einen tabindex zu definieren, der eine Steuerung mittels Tabulator-Taste ermöglicht.

MSAA ist die von Microsoft konzipierte Schnittstelle für alternative Zugänge zu ihrem Betriebssystem Windows. Hersteller von Screen-Readern müssen sich an dieser Schnittstelle orientieren, um Inhalte und Bedienelemente eines Programms textbasiert aufzubereiten. So lassen sich in Word und im Internet Explorer Angaben zu den Schriften, Farben, grafischen Buttons usw. feststellen und die Bedienung von Menüs, Dialogfeldern und Symbolleisten wird für die Screen-Reader-Anwender ermöglicht.

Zusätzliche Web-Tools für Blinde und Sehbehinderte, die z. B. auf den Internet Explorer aufsetzen, bekommt die meisten Informationen zu Webseiten ebenfalls über die MSAA-Schnittstelle.

Mit MSAA gibt Microsoft die Verantwortung für die Entwicklung barrierefreier Software an die Herstellern von Screen-Readern weiter.

Screenreader

Der Flash 6-Player kann die für MSAA bereitgestellten Informationen (z.B. Formularfeldbezeichnungen) auswerten, so dass ein Screen-Reader ohne jedes weitere (Brücken-)Programm damit umgehen kann. Außer den beiden in Deutschland nicht verbreiteten Screen-Readern Outspoken und Window Eyes schafft das derzeit jedoch kein Screen-Reader.

Der in Deutschland gängige Webformator (ein kostenloses Web-Tool für Screen-Reader) kann ab der Version 1 . 3 die Alternativtexte von Flash-Objekten auslesen, die zumindest das Lesen der Inhalte des Objekts ermöglichen. Somit ist der Web Formator derzeit die einzige deutschsprachige "Brücke" zwischen Flash und Screen-Readern. Die MSAA-Features für die Bedienung von Flash-Objekten werden derzeit nicht vom Web Formator interpretiert.

Ist Flash wirklich barrierefrei zu gestalten?

Die neuen Eingabehilfen in Macromedia Flash MX erlauben es den Entwicklern, ihre Flash-Objekte zugänglicher zu machen und Screen-Reader direkt anzusprechen (Spezifizierung von Elementen, Hinweise zur Eingabe in Formularen, Navigations-Shortcuts, usw.).

Das "Einlenken" von Macromedia ist auf die amerikanische Disability Act, Section 508, zurückzuführen, der in den USA dafür sorgt, dass Behörden alle Informationen auch Behinderten zugänglich zu machen haben.

Dass nun auch Macromedia MSAA unterstützt, ist ohne Zweifel positiv zu bewerten. Es gibt aber noch eine ganze Reihe Zugänglichkeitsprobleme in Flash. Neben den Nutzern von Screen-Readern, die grundsätzlich einen Text-orientierten Zugang für jede Software brauchen, gibt es auch eine deutlich höhere Zahl an Surfern, die mit einer Standard-Ausstattung arbeiten und die aufgrund anderer Behinderungen erhebliche Probleme mit Flash-Objekten haben bis hin zur völligen Unzugänglichkeit. Beispielsweise sind Farben und Kontraste in Flash-Movies für Sehbehinderte problematisch; die Nutzung von Schaltflächen in Flash bereitet nicht nur ihnen, sondern eventuell auch Mobilitätsbehinderten unüberwindbare Barrieren, die eine Flash-Seite schlicht unbrauchbar machen. Deshalb ist beim Einsatz von Flash auch die Frage nach der Zweckmäßigkeit zu stellen.

Aufgrund des Konzepts von MSAA müssen alle Anbieter von Screen-Readern und Brückensoftware für das Web weitere Entwicklungsarbeit leisten, und das kann angesichts einer Vielzahl weiterer Engpässe Zeit brauchen.

Fazit: Flash bleibt trotz der Berücksichtigung von MSAA durchaus problematisch.