Wie geht man mit Flash um?

Mittlerweile bieten die Techniken zur WCAG 2.0 eine ganze Reihe Extern, englischsprachig: dokumentierter Techniken zu Adobe Flash.

Checkpunkte

Folgende Punkte erachte ich als besonders wichtig für das Flash-Design:

Alternativtexte sind für die Barrierefreiheit absolut notwendig.
Ein tendenziell rein visuell orientiertes Flash-Design ist für nicht- oder nur schlecht sehende Surfer nicht benutzbar. Der Alternativtext sollte sowohl für das Objekt selbst als auch für grafische, interaktive oder dynamische Elemente des Objekts verfügbar sein und das Gesehene mit Text ersetzen können.
Kontrastreiche Gestaltung von Informationen.
Wenn Sie einen Text, der für das Verständnis der Seite wichtig ist, mit "zarten" Vordergrund- und Hintergrundfarben gestalten, werden Sehbehinderte es wahrscheinlich nicht oder nur erschwert lesen können. Ein Flash-Intro - das nicht nur aus Sicht eines Sehbehinderten ärgerlich sein kann - macht möglicherweise einen gesamten Webauftritt schlicht unbrauchbar, wenn darauf nichts zu sehen ist. Starke Kontraste sind daher besonders wichtig für jede Art von Information und insbesondere für Links.
Dynamische Elemente einschränken.
Auch hier gilt: Wenn eine Information für die Benutzbarkeit wichtig ist, dann muss sie gelesen werden können. D.h. auch, sie darf sich nicht bewegen. Auch Interaktives darf sich nicht bewegen, weil nicht nur Sehbehinderte möglicherweise Schwierigkeiten mit der Verfolgung haben, sondern auch Mobilitätsbehinderte. Gerade Navigationselemente müssen bedienbar sein, um einen Webauftritt zu benutzen.
Zusammenbringen, was zusammengehört.
Insbesondere bei Sehbehinderten, die Vergrößerungssoftware einsetzen, kann es passieren, dass nur ein Teilausschnitt des Bildschirms zu sehen ist. Beispielsweise wenn der Benutzer eine 4-fache Vergrößerung benötigt, sieht er nur 1 / 16 des Bildschirms zu einem Zeitpunkt. Daher sind Elemente, die themenverwandt sind oder gar Optionen darstellen unbedingt so anzuordnen, dass von dem einen Element auch das zugeordnete Element erschlossen werden kann. Das gilt auch für Auswirkungen einer Aktion: Wenn durch den Benutzer ein Ereignis ausgelöst wird, dann muss das Ergebnis nach Möglichkeit im sichtbaren Bereich liegen.
Den Benutzer nicht überfordern
Ein allgemeines Problem, das Behinderte und vermeintlich Nicht-Behinderte zur Flucht treiben wird. Vollwertige Umgebungen sind meist nicht das, was der Benutzer will. Die meisten Nutzer wollen eine Information und kein System, das sie erst erlernen müssen.
Im Allgemeinen gilt:
Die Standard-Vorgaben einhalten. Selbst erstellte Objekte, Layouts oder spezieller Produkte können nur dann von blinden Anwendern benutzt werden, wenn Default-Werte berücksichtigt werden, denn für jede selbstdefinierte Schnittstelle müssten Screen-Reader-Hersteller eine neue Programmierung bereitstellen
Und schließlich - ein weiteres blindenspezifisches Problem
Flash ist bislang nicht "bekannt" gewesen. Weil Macromedia bis Anfang 2002 keine Schnittstelle für die Hilfsmittel blinder Surfer geboten hat, konnten die Screen-Reader-Hersteller die Ausgabe an Sprachausgabe oder Braille-Zeile nicht programmieren. Dieses Problem wird wahrscheinlich lange anhalten, denn nicht nur müssen Screen-Reader-Hersteller die MSAA-Schnittstelle in Flash "jeder für sich" bereitstellen und darüber hinaus sich die Anwender in das neue und vielfältige (Flash-)Umfeld einarbeiten, sondern es müssen vor allem barrierefreie Flash-Webauftritte entstehen, was angesichts der langen Liste an To-Do's etwas dauern kann. Daher sollten kontextuelle Hinweise zur Benutzung des Systems (Anleitung zur Navigation und zu interaktiven Bereichen wie Formulare) im HTML-Bereich angegeben werden.

1 % gut

Jakob Nielsen sagt zu Flash: "99 % bad". Aus Sicht der Barrierefreiheit kann ich nur zustimmen. Ich bin nicht generell gegen Flash auf Webauftritten, denn Flash kann eine sehr nützliche Ergänzung zum HTML-basierten Inhalt sein. Wenn aber Webseiten großteils mit Flash realisiert werden, dann kommt das einem Grafik-Dschungel sehr nahe.

Eine Flash-Startseite ist eine Barriere für eine gesamte Site. Ist das notwendig? Sie zeigt lediglich, dass der Webgestalter die Fähigkeit besitzt, Vektor-basierte Schrift am Bildschirm zu animieren. Die Qualität der Produkte und die Seriosität der Firma wird dadurch keinesfalls gefördert. In jedem Fall wird die Nutzbarkeit der Site gesenkt.

Flash hin oder her: es handelt sich um ein proprietäres Format. Flash ist kein offener Standard, Werkzeuge zur Erstellung von Flash-Objekten werden von Macromedia dominiert.

Es ist natürlich verlockend, mal auf die Schnelle eine ganze Site mit Flash zu erstellen. Das ist aber auch keine große Kunst. Um den Anforderungen der Benutzer gerecht zu werden, muss gewährleistet sein, dass alle Informationen auch ohne den Flash-Player zugänglich sind. Mit einer schnellen und einfachen Möglichkeit, Ideen für das Web zu realisieren, ist es eben nicht getan.

Als Lernhilfe für Menschen mit kognitiven Einschränkungen kann Flash durchaus sinnvoll eingesetzt werden. Den Nutzen erfährt aber eine einzelne Nutzergruppe und ist nicht schnell und einfach realisiert, sondern an den speziellen Bedürfnissen der Nutzergruppe ausgearbeitet.

Schließlich: Internet, insbesondere das Web, lässt viel Spielraum für Spaß und leider auch Betrug und auch Gefahren für den eigenen Rechner. Im Bereich E-Mail sehen wir das tagtäglich in unseren Briefkästen: Schmuddel-Kram, Viren, aber auch die ganzen Kettenbriefe wie die sog. "Virenwarnungen" usw. Ich will damit keineswegs sagen, dass Flash zu Letzterem gehört. Wenn schon, gehört Flash zur Rubrik "Spaß". Sowohl E-mail als auch das Web haben einen starken informativen Charakter. Diese Grundhaltung ist das, was das (barrierefreie) Internet ausmacht.