Die vier Prinzipien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0

Die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte sind ein Webstandard des W3C und sollen die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Webseiten für Menschen mit Behinderungen sicherstellen. Die Richtlinien sind Grundlage für gesetzliche Vorgaben in vielen Ländern der Welt. Sie wurden außerdem von der ISO und der IEC wortwörtlich übernommen als ISO/IEC 40500.

Mit den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0 aus dem Jahr 2008 werden die Webstandards zur Barrierefreiheit an die moderne Webgestaltung ausgerichtet. Sie sind gegenüber der Vorgängerversion aus 1999 technikneutral formuliert, schließen weitergehende Aspekte wie Gestaltung, Prozesse, Multimedia und Dynamik ein und werden ergänzt durch unzählige erläuternde Dokumente.

Die WCAG 2.0 sind pyramidenartig aufgebaut und umfassen vier Ebenen:

  1. 4 Prinzipien
  2. 12 Richtlinien
  3. 61 Erfolgskriterien
  4. unzählige Techniken

Die ersten drei Ebenen sind normativ und stellen das Fundament der Richtlinien dar. Die vierte Ebene hingegen umfasst ergänzende Dokumente, die nicht normativ sind und regelmäßig aktualisiert werden.

Schließlich gibt die WCAG 2.0 vor, wie die Konformität einer Webseite zur WCAG 2.0 festgestellt werden kann.

Prinzipien

Die vier Prinzipien der WCAG 2.0 stellen die Basis der Richtlinien dar:

  1. Prinzip 1: Wahrnehmbar — Informationen und Bestandteile der Benutzerschnittstelle müssen den Benutzern so präsentiert werden, dass diese sie wahrnehmen können.
  2. Prinzip 2: Bedienbar — Bestandteile der Benutzerschnittstelle und Navigation müssen bedienbar sein.
  3. Prinzip 3: Verständlich — Informationen und Bedienung der Benutzerschnittstelle müssen verständlich sein.
  4. Prinzip 4: Robust — Inhalte müssen robust genug sein, damit sie zuverlässig von einer großen Auswahl an Benutzeragenten einschließlich assistierender Techniken interpretiert werden können.

Richtlinien

Den vier Prinzipien der WCAG 2.0 sind zwölf Richtlinien zugeordnet, welche die Grundziele für die Erstellung barrierefreier Webinhalte bilden. Diese Richtlinien sind unabhängig von konkreten Techniken (wie z.B. HTML oder CSS) formuliert. Damit sollen sowohl aktuelle als auch zukünftige Techniken im Web barrierefrei umgesetzt werden können.

Es gibt viele Richtlinien zur Nutzbarkeit von Webinhalten. In der WCAG 2.0 werden nur solche Richtlinien formuliert, die die Zugänglichkeit und die Nutzbarkeit durch Menschen mit Behinderungen betreffen. Die Richtlinien sollen sicherstellen, dass Inhalte für möglichst viele Nutzer zugänglich sind und dass Inhalte entsprechend den Fähigkeiten behinderter Nutzer angepasst werden können.

Erfolgskriterien

Die zwölf Richtlinien der WCAG 2.0 werden weiter unterteilt in 61 Erfolgskriterien, und erst diese Erfolgskriterien bieten konkrete Handlungsanweisungen für eine barrierefreie Umsetzung. Die Erfolgskriterien sind vielseitig einsetzbar, u.a. als Grundlage für das Testen der Barrierefreiheit.

Die einzelnen Intern: Erfolgskriterien der WCAG 2.0 sind allgemein formuliert, so dass sie sich auf beliebige Webtechniken anwenden lassen. Außerdem sind alle Erfolgskriterien technisch überprüfbar. In der WCAG 2.0 wird jedes Erfolgskriterium durch zwei Links ergänzt, die auf erläuternde Dokumente verweisen. In den erläuternden Dokumenten sind u.a. folgende Inhalte zu finden:

Die Erfolgskriterien werden im Übrigen drei verschiedenen Konformitätsstufen zugeordnet: Konformitätsstufe A (25 Erfolgskriterien) mit einer geringen Konformität, Konformitätsstufe AA (13 Erfolgskriterien) und Konformitätsstufe AAA (23 Erfolgskriterien) mit der höchsten Konformität zur WCAG 2.0.

Techniken

Die Techniken der WCAG 2.0 sind im Gegensatz zu den Prinzipien, Richtlinien und Erfolgskriterien informativ. Indem die Techniken von dem normativen Teil gelöst sind, ist es möglich, die Maßnahmen für ein barrierefreies Webdesign an den technischen Fortschritt und anderen Entwicklungen anzupassen. So können auf der einen Seite die Techniken verfeinert und inhaltlich ergänzt werden und auf der anderen Seite auf weitere Formate und Sprachen ausgedehnt werden. Beispielsweise wurden die Techniken zu PDF erst in 2010 zu den Techniken hinzugefügt.

Die Techniken, die für ein Erfolgskriterium eingesetzt werden können, werden in den erläuternden Dokumenten eines Erfolgskriteriums aufgelistet und aktualisiert. Die Techniken werden dabei nach ausreichenden und empfohlenen Techniken unterschieden:

  1. Die ausreichenden Techniken sind Techniken, die zur Erfüllung eines Erfolgskriteriums sicher eingesetzt werden können. Gleichzeitig ist die Liste der ausreichenden Techniken nicht erschöpfend, d.h. es kann andere, nicht-dokumentierte Techniken geben, die ein Erfolgskriterium ebenfalls erfüllen.
  2. Es werden auch empfohlene Techniken aufgeführt. Diese Techniken reichen i.d.R. nicht aus, um ein Erfolgskriterium zu erfüllen, können aber die Barrierefreiheit trotzdem fördern. Warum die empfohlenen Techniken nicht ausreichende Techniken sind, kann verschiedene Gründe haben:
    • Die Techniken können den Anforderungen eines Erfolgskriteriums nicht vollständig genügen.
    • Die Techniken sind nicht (technisch) überprüfbar.
    • Die Techniken sind nur in bestimmten Situationen effektiv, in anderen Situationen können Sie die Barrierefreiheit evtl. einschränken.

Die einzelnen Techniken sind nicht an einem einzigen Erfolgskriterium gekoppelt. Einige Techniken sind gleich für mehrere Erfolgskriterien einsetzbar. Entscheidend ist aber, dass das Erfolgskriterium erfüllt wird, nicht welche Technik eingesetzt wird.

Schließlich werden Fehler-Techniken aufgeführt. In dieser Dokumentation werden Techniken beschrieben, die zur Nicht-Erfüllung eines Erfolgskriteriums führen und deshalb zu vermeiden sind.

Konformität

Die WCAG 2.0 bestimmt mit den Erfolgskriterien, welchen Anforderungen einzelne Inhalte auf einer Webseite genügen müssen. Darüber hinaus werden mehrere normative Bedingungen festgelegt, die bei der Bewertung der Barrierefreiheit beachtet werden müssen. Diese Intern: Konformitätsbedingungen stellen einen Rahmen dar, eine möglichst objektive und transparente Aussage zur Barrierefreiheit formulieren zu können.

Für die meisten Betreiber von Webauftritten ist nicht die Barrierefreiheit einzelner Webseiten, sondern die Barrierefreiheit des gesamten Webauftritts von Interesse. Ein solches umfassendes Intern: Prüfverfahren zur Barrierefreiheit ist in der WCAG 2.0 nicht enthalten. Vielmehr steht ein weiteres Dokument zur Verfügung, die Extern, englischsprachig: Website Accessibility Conformance Evaluation Methodology (WCAG-EM) 1.0, das Verfahren zur Seitenauswahl, zur Konformitätsbewertung und zur Dokumentation beschreibt.