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Konformität nach den Web Content Accessibility Guidelines 2.0

Konformitätsbedingungen der WCAG 2.0

Der Kern der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0 resp. ISO/IEC 40500 sind die Intern: Erfolgskriterien. Die Prüfung einer Webseite auf Barrierefreiheit ist eine Konformitätsprüfung der Webseite gegen die Erfolgskriterien der WCAG 2.0. Die Kriterien sind als testbare Anforderungen formuliert und können alle mit technischer Unterstützung bewertet werden.

Über die Erfolgskriterien hinaus werden fünf Voraussetzungen formuliert, die für eine Erklärung der Konformität erfüllt sein müssen. Diese sogenannten Konformitätsbedingungen müssen bei der Intern: Prüfung der Barrierefreiheit und in einer Intern: Konformitätserklärung berücksichtigt werden. Bei den Konformitätsbedingungen handelt es sich um:

Intern: 1. Konformitätsstufe

Eine Aussage über die Barrierefreiheit einer Webseite kann grundsätzlich nur auf der Basis der Erfolgskriterien einer bestimmten Konformitätsstufe vorgenommen werden. Viele Richtlinien verfügen über keine Abstufungen der Anforderungen; in der WCAG 2.0 wurden die Erfolgskriterien in drei Kategorien unterschiedlich gewichtet, abhängig von verschiedenen Faktoren. Einige dieser Faktoren sind z.B.:

  • ob das Erfolgskriterium eine Voraussetzung für die Nutzbarkeit einer Webseite durch Menschen mit Behinderungen ist,
  • ob das Erfolgskriterium Ausdruck, Design oder Ästhetik einer Webseite beeinflusst oder
  • ob es alternative Lösungen gibt, wenn das Erfolgskriterium nicht erfüllt wird.

Die Erfolgskriterien sind alle einer der Konformitätsstufen A, AA oder AAA zugewiesen, wobei A die wichtigsten Kriterien für Barrierefreiheit sind. Wenn ein Erfolgskriterium der Konformitätsstufe A zugeordnet wird, dann bedeutet das meistens, dass die Nicht-Erfüllung des Erfolgskriteriums mindestens eine Nutzergruppe von der Nutzung ausschließt. Erfolgskriterien auf der mittleren Konformitätsstufe AA stellen weitere wichtige Anforderungen dar und Erfolgskriterien auf der höchsten Konformitätsstufe AAA beinhalten weitergehende Bewertungsmöglichkeiten für die Barrierefreiheit einer Webseite. Für Konformitätsstufe A muss eine Webseite alle Erfolgskriterien der Stufe A erfüllen, für die Konformitätsstufe AA müssen alle Erfolgskriterien der Stufen A und AA und auf Konformitätsstufe AAA müssten sämtliche Erfolgskriterien der WCAG 2.0 erfüllt sein.

Im Allgemeinen wird empfohlen, möglichst viele Anforderungen der WCAG 2.0 zu erfüllen, auch wenn Konformitätsstufe A oder AA angestrebt wird. Ein realistisches Ziel für eine Webseite stellt Konformitätsstufe AA dar. Konformitätsstufe AAA — so auch in der WCAG 2.0 angemerkt — ist oft nicht erreichbar, weil sich die Erfolgskriterien teilweise nicht auf alle Inhaltsformen anwenden lassen.

Da manche Webinhalte aufgrund der eingesetzten Technik oder rechtlicher Sachverhalte nicht barrierefrei umgesetzt werden können, lässt die WCAG 2.0 auch zu, dass bei einer Konformitätsprüfung alternative Versionen einzelner Webseiten herangezogen werden dürfen. Die wesentlichen Anforderungen hierfür sind:

  1. Die alternative Version muss auf einfache Weise und für jeden erreichbar sein.
  2. Die alternative Version muss sämtliche Erfolgskriterien der angestrebten Konformitätsstufe erfüllen.

Die genaueren Anforderungen, die eine konforme alternative Version als Ersatz für die eigentliche Webseite in einer Konformitätserklärung zulassen, werden im Extern: Glossar der WCAG 2.0 formuliert. Entscheidend ist aber meist, dass jederzeit und barrierefrei zwischen der nicht-konformen und der konformen alternativen Version einer Webseite gewechselt werden kann.

Intern: 2. Ganze Seiten

Konformitätserklärungen können nur für vollständige Webseiten gemacht werden, d.h. wenn für eine Webseite die Konformität zu einer der Konformitätsstufen erklärt wird, dann muss die Aussage für alle Inhalte der Seite gelten. Sobald Teile einer Seite nicht konform zu der angestrebten Konformitätsstufe der WCAG 2.0 sind, kann keine Konformität für die Webseite erklärt werden. Die Ausnahme besteht lediglich in Konformitätsbedingung 4.

Es gibt Situationen, wo die Konformität bestimmter Teile einer Seite nicht erreicht werden kann, etwa wenn in einem eingebetteten Frame Inhalte von Drittanbietern unkontrolliert eingebunden werden oder wenn es für Inhalte in bestimmten Sprachen keine Hilfsmittel gibt, die die Inhalte korrekt aufbereiten können. In solchen Fällen wird in den WCAG 2.0 empfohlen, eine Extern: Erklärung partieller Konformität für die Webseite vorzunehmen.

Intern: 3. Vollständiger Prozess

Wenn Konformität für Webseiten innerhalb eines Prozesses erklärt wird, dann können einzelne Webseiten des Prozesses nicht von der Erklärung ausgenommen werden. Wenn mehrere Webseiten aufeinander folgen, um eine Aufgabe abzuschließen wie z.B. aufeinander aufbauende Aufgaben eines E-Learning-Prozesses oder Anmelde- und Bestellvorgänge in Online-Shops, dann müssen für die Konformitätserklärung alle Schritte als eine einzelne Webseite zusammengefasst werden. Erfüllt nur eine einzige Webseite die Erfolgskriterien der angestrebten Konformitätsstufe nicht, dann erfüllen alle anderen Webseiten des Prozesses diese Konformitätsstufe ebenfalls nicht.

Intern: 4. Ausschließliche Benutzung von Techniken auf eine die Barrierefreiheit unterstützende Art

Eine Webseite kann konform zu einer Konformitätsstufe der WCAG 2.0 sein, auch wenn Techniken eingesetzt werden, die die Barrierefreiheit nicht unterstützen. "Die Barrierefreiheit unterstützend" bedeutet, dass eine eingesetzte (und standardkonforme) Technik von gängigen Hilfsmitteln unterstützt werden muss. Werden beispielsweise zur Verdeutlichung von Linkzielen title-Attribute eingesetzt, dann wurde eine standardkonforme Technik verwendet. Weil Tastaturnutzer diese zusätzlichen Inhalte jedoch in den wenigsten Fällen tatsächlich anzeigen lassen können, eignet sich das title-Attribut für Vergabe eindeutiger Links nicht. In diesem Fall müssen andere Techniken (ergänzend) eingesetzt werden, um das Erfolgskriterium zu erfüllen.

Leider führt das W3C keine Liste der "die Barrierefreiheit unterstützenden" Techniken. Vielmehr wird empfohlen, sich Extern, englischsprachig: auf öffentlich dokumentierte Dokumentationen zu stützen. Allerdings werden in den Best-Practice-Techniken zur WCAG 2.0 entsprechende Extern, englischsprachig: Hinweise geboten, wenn die Technik zwar standardkonform, aber trotzdem nicht zugänglichkeitsunterstützend ist.

Intern: 5. Nicht störend

Die fünfte Konformitätsbedingung betrifft zwei Themenkreise. Zum einen geht es um die Nutzung von zugänglichkeitsunterstützenden Techniken und zum anderen um solche Techniken, die eine unüberwindbare Barriere bedeuten.

Es gilt der Grundsatz, dass wenn Techniken eingesetzt werden, die in Hilfsmitteln wie Screenreadern nicht unterstützt werden, die Informationen und Funktionen auf anderer Weise zugänglich und nutzbar gemacht werden müssen. Nicht zugänglichkeitsunterstützende Techniken dürfen eingesetzt werden — auch auf nicht konformer Weise — solange es eine zugänglichkeitsunterstützende und konform eingesetzte Alternative gibt (Konformitätsbedingung 4) und solange sie die Nutzbarkeit in Hilfsmitteln nicht einschränken.

Es gibt insbesondere vier Techniken, die immer störend sind und deshalb auch nicht durch eine alternative Technik kompensiert werden können. Auf einer Webseite darf es nicht dazu kommen, dass:

  • Audio automatisch abgespielt wird, weil Nutzer von Sprachausgaben ihre Software nicht mehr hören können,
  • der Nutzer in einem Seitenelement mit dem Tastaturfokus festhängt, also eine Tastaturfalle vorhanden ist,
  • sich bewegende Elemente nicht angehalten, beendet oder ausgeblendet werden können, weil Nutzer dauerhaft vom Inhalt abgelenkt werden, oder
  • der Nutzer durch stark blinkende oder flackernde Elemente einer gesundheitlichen Gefährdung ausgesetzt wird.

Diese fünf Konformitätsbedingungen sind die Voraussetzung dafür, dass eine Konformitätserklärung nach WCAG 2.0 gemacht werden kann. Sie gelten für jede zu prüfende Webseite.