Barrierefreies Webdesign ein zugängliches und nutzbares Internet gestalten

Europäische Norm 301549 v2.1.2

Bereits in der Europäischen Richtlinie 2016/2102 wurde die EN 301549 v1.1.2 als Mindestanforderung für die digitale Barrierefreiheit festgelegt. Die Barrierefreiheitsanforderungen wurden im Durchführungsbeschluss 2018/2048 auf die EN 301549 v2.1.2 aktualisiert. Die englischsprachige Norm kann PDF: kostenfrei heruntergeladen werden. Die deutschsprachige Fassung kann als DIN EN 301549 beim Extern: Beuth-Verlag erworben werden.

Aufbau der EN 301549

Die EN 301549 besteht aus 13 Kapiteln und vier Anhängen. Die normativen Anforderungen finden sich in Kapitel 5 bis 13 sowie Anhang C. Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) muss den Anforderungen in Kapitel 5 bis 13 genügen. Die Kapitel lauten:

Kapitel 9 bis 11 repräsentieren die Erfolgskriterien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 auf Konformitätsstufe AA. Für Web und Nicht-Web Dokumente genügt es fast immer, sich an die WCAG 2.1 zu orientieren. Bei Software hängt es von der Art der Software ab, ob nur die WCAG 2.1 anwendbar ist oder zusätzlich noch weitere Abschnitte der Norm für Konformität relevant sind.

Die vollständigen Bedingungen und Tests (insbesondere zu Kapiteln 5 bis 8 sowie 12 und 13 der EN 301549 zur Bestimmung der Konformität zur EN 301549 werden in normativen Anhang C der EN 301549 beschrieben. Für Kapitel 9 bis 11 ist die Überprüfung der Erfolgskriterien in den WCAG 2.1 maßgebend. Erst wenn alle anwendbaren Tests in Anhang C bestanden sind, sind die Mindestanforderungen der Barrierefreiheit erfüllt beziehungsweise kann Barrierefreiheit auf der Grundlage der Konformität zur EN 301549 vermutet werden.

Bezug zu den WCAG 2.1

Im Allgemeinen müssen nach der EN 301549 Webseiten, Nicht-Web-Dokumente und Software den 50 Erfolgskriterien der WCAG 2.1 auf Konformitätsstufe AA genügen. Webseiten müssen zusätzlich die fünf Konformitätsanforderungen erfüllen. Die Erfolgskriterien und Konformitätsanforderungen sind aber nicht immer auf alle Inhaltsformen anwendbar. Die folgende Tabelle zeigt vor allem in der dritten und vierten Spalte, welche Ausnahmen für die Anwendbarkeit der WCAG 2.1 es für Nicht-Web-Dokumente und Software gibt. Wenn in der vierten Spalte "differenziert" steht, so bedeutet das, dass die EN 301549 beispielsweise nach geschlossenen und offenen Systemen differenziert, aber das Erfolgskriterium nach wie vor auf entsprechende Inhalte anwendbar bleibt.

Anwendbarkeit der Erfolgskriterien und Konformitätsbedingungen
Anforderung (WCAG 2.1)Anwendbar auf
WebDokumenteSoftware
1.1.1 Nicht-Text-Inhaltjajadifferenziert
1.2.1 Reines Audio und reines Video (aufgezeichnet)jajadifferenziert
1.2.2 Untertitel (aufgezeichnet)jajaja
1.2.3 Audiodeskription oder Medienalternative (aufgezeichnet)jajadifferenziert
1.2.4 Untertitel (Live)jajaja
1.2.5 Audiodeskription (aufgezeichnet)jajaja
1.3.1 Info und Beziehungenjajadifferenziert
1.3.2 Bedeutungsvolle Reihenfolgejajadifferenziert
1.3.3 Sensorische Eigenschaftenjajaja
1.3.4 Ausrichtungjajaja
1.3.5 Eingabezweck bestimmenjajaja
1.4.1 Benutzung von Farbejajaja
1.4.2 Audio-Steuerelementjajaja
1.4.3 Kontrast (Minimum)jajaja
1.4.4 Textgröße ändernjajadifferenziert
1.4.5 Bilder von Textjajadifferenziert
1.4.10 Automatischer Umbruch (Reflow)jajadifferenziert
1.4.11 Nicht-Text-Kontrastjajaja
1.4.12 Textabstandjajaja
1.4.13 Eingeblendeter Inhalt bei Darüberschweben (Hover) oder Fokusjajaja
2.1.1 Tastaturjajadifferenziert
2.1.2 Keine Tastaturfallejajaja
2.1.4 Tastaturkürzeljajadifferenziert
2.2.1 Zeitvorgaben anpassbarjajaja
2.2.2 Pausieren, stoppen, ausblendenjajaja
2.3.1 Blitzen, dreimalig oder unterhalb Grenzwertjajaja
2.4.1 Blöcke überspringenjaneinnein
2.4.2 Seite mit Titeljajanein
2.4.3 Fokus-Reihenfolgejajaja
2.4.4 Linkzweck (im Kontext)jajaja
2.4.5 Verschiedene Möglichkeitenjaneinnein
2.4.6 Überschriften und Beschriftungen (Labels)jajaja
2.4.7 Fokus sichtbarjajaja
2.5.1 Zeigergestenjajaja
2.5.2 Abbruch der Zeigeraktionjajaja
2.5.3 Beschriftung (Label) im Namenjajaja
2.5.4 Betätigung durch Bewegungjajaja
3.1.1 Sprache der Seitejajadifferenziert
3.1.2 Sprache von Teilenjajanein
3.2.1 Bei Fokusjajaja
3.2.2 Bei Eingabejajaja
3.2.3 Konsistente Navigationjaneinnein
3.2.4 Konsistente Kennzeichnungjaneinnein
3.3.1 Fehlerkennzeichnungjajadifferenziert
3.3.2 Beschriftungen (Labels) oder Anweisungenjajaja
3.3.3 Vorschlag bei Fehlerjajaja
3.3.4 Fehlervermeidung (rechtlich, finanziell, Daten)jajaja
4.1.1 Syntaxanalysejajadifferenziert
4.1.2 Name, Rolle, Wertjajadifferenziert
4.1.3 Statusmeldungenjaneinnein
5.2.1 Konformitätsleveljaneinnein
5.2.2 Ganze Seitenjaneinnein
5.2.3 Vollständige Prozessejaneinnein
5.2.4 ausschließliche Benutzung von Technologien auf eine die Barrierefreiheit unterstützende Artjaneinnein
5.2.5 Nicht störendjaneinnein

Anhänge der EN 301549

Insgesamt verfügt die Norm über vier Anhänge. Während Anhang C normativ ist, sind Anhänge A, B und D informativ .

Hinweis: Normative Inhalte einer Norm müssen erfüllt werden, um Konformität zur Norm zu erreichen. Informative Inhalte einer Norm sind nie für Konformität erforderlich.

Anhang A (Zusammenhang zwischen dem vorliegenden Dokument und den grundlegenden Anforderungen der Richtlinie 2016/2102)

Anhang A besteht im Wesentlichen aus zwei informativen Tabellen. Diese Tabellen belegen, dass alle Anforderungen aus dem Normungsauftrag zur Erstellung der Norm auch in der Norm aufgenommen wurden. Es handelt sich quasi um eine dokumentierende Plichtaufgabe des Normungsinstituts. Die enthaltenen Tabellen A1 und A2 sind für Konformität zur EN 301549 nicht relevant, da sie keine Anforderungen an IKT stellen.

Anhang B (Zusammenhang zwischen den Anforderungen und den Aussagen zur Funktionalität)

Anhang B ist informativ und stellt den Zusammenhang zwischen allgemeine, behinderungsbezogene Aussagen zur Funktionalität (Abschnitt 4.2 der EN 301549) und den Anforderungen in den Kapiteln 5 bis 13 der EN 301549. Sowohl in der EN 301549 als auch in der BITV 2.0 ist eine Abkehr von dieser klassischen, behinderungsbezogenen Betrachtung zugunsten einer ausschließlich sachbezogenen Abgrenzung der Anforderungen festzustellen. Anhang B enthält keine neuen Anforderungen an IKT und ist für die Konformität zur EN 301549 nicht relevant.

Anhang C (Bestimmung der Konformität)

Anhang C legt für Alle Anforderungen in Kapitel 5 bis 13 fest, wie die Konformität bestimmt wird. Für Kapitel 9 (Web), Kapitel 10 (Nicht-Web Dokumente) und Kapitel 11 (Software) sind die Erfolgskriterien der WCAG 2.1 maßgebend, wobei es für Software weitergehende Prüfschritte gibt. Für Kapitel 5 bis 8 sowie 12 und 13 liefert Anhang C ebenfalls die Kriterien zur Bestimmung der Konformität. Jedes Kriterium besteht aus einer oder mehreren Bedingungen und einer oder mehreren Prüfschritten; wenn die Bedingungen erfüllt sind, müssen die Prüfschritte bestanden werden.

Um die Details zu den sonstigen Kriterien in Erfahrung zu bringen, sollte die oben verlinkte Norm heruntergeladen werden.

Anhang D (WCAG 2.1 AAA-Erfolgskriterien)

Anhang D listet die Erfolgskriterien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 auf Konformitätsstufe AAA auf. Die WCAG 2.1 enthält Erfolgskriterien auf drei Konformitätsstufen (A, AA und AAAA). Die EN 301549 legt die Erfolgskriterien auf der mittleren Konformitätsstufe AA als Mindestanforderungen für Barrierefreiheit von Web, Nicht-Web-Dokumenten und Software fest. Die Erfüllung der Erfolgskriterien in Anhang D ist für Konformität zur EN 301549 nicht erforderlich. Die zusätzlichen Anforderungen sollten nach Möglichkeit berücksichtigt werden, aber selbst das W3C betont immer wieder, dass es meist nicht möglich ist, allen Erfolgskriterien der WCAG 2.1 auf Konformitätsstufe AAA zu genügen.