Barrierefreies Webdesign ein zugängliches und nutzbares Internet gestalten

Anforderungen für die digitale Verwaltung

Höchstmögliches Maß an Barrierefreiheit

Formulare, interaktive Prozesse und zentrale Einstiegsseiten der öffentlichen Stellen des Bundes sollen nach § 3 Absatz 4 BITV 2.0 ein höchstmögliches Maß an Barrierefreiheit aufweisen. Diese Vorgabe ist für die öffentlichen Stellen der Länder und Kommunen unterschiedlich geregelt.

Die BITV 2.0 benennt nicht, was zum höchstmöglichen Maß an Barrierefreiheit gehört. Welche Standards oder Empfehlungen anzuwenden sind, muss in Deutschland in einem Extern: Ausschuss für barrierefreie Informationstechnik bei der Überwachungsstelle des Bundes erst dokumentiert werden.

Nach der Begründung zur BITV 2.0 werden die Erfolgskriterien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 auf Konformitätsstufe AAA als höchstmögliches Maß der Barrierefreiheit erwogen. Dass das zu einer Vorgabe wird, kann eigentlich ausgeschlossen werden, denn ein Grund für die Einsortierung von Erfolgskriterien in Konformitätsstufe AAA der WCAG 2.1 ist, dass ein Erfolgskriterium nicht immer umsetzbar ist. Das bedeutet nicht, dass die Erfolgskriterien nicht beachtet werden sollen, sondern dass Konformitätsstufe AAA meist nicht erreicht werden kann.

Was zu einem höchstmöglichen Maß an Barrierefreiheit zählen sollte, ist die Beachtung von weitergehenden Grundsätzen der Software-Ergonomie und -Entwicklung. Formulare, interaktive Prozesse und zentrale Einstiegsseiten müssen durch ergonomische Benutzeroberflächen und Führung die Nutzer bei der Erledigung der Aktivitäten weiter unterstützen. Entsprechende Anforderungen finden sich in der DIN-EN-ISO 9241 - Teil 171 zur Zugänglichkeit von Software. Die Norm stellt weitere Anforderungen an die Eingabe, die Ausgabe und die Online-Dokumentation.

Allein das Wissen von Barrierefreiheit- und Ergonomie-Richtlinien reicht allerdings nicht aus, um Barrierefreiheit und Ergonomie richtig und vollständig in komplexen Anwendungen mit Formularen und interaktiven Prozessen umzusetzen. Software Implementierungsprojekte müssen von Anfang an mit einer Roadmap für die Umsetzung von Barrierefreiheit und Ergonomie ausgestattet sein. Das fängt bei der Konzeption und der Belieferungsmethodik an, geht über die frühzeitige und regelmäßige Überprüfung von Code und Inhalten auf Konformität zu den Barrierefreiheitsrichtlinien bis hin zum UX-Design für Menschen mit Behinderung.