Voraussetzung für das Verstehen von Video- und Audio-Inhalten ist eine entsprechende Sinneswahrnehmung. Aus diesem Grund müssen Video- und Audio-Inhalte über (Text-)Alternativen verfügen. An die Alternativen werden hohe Anforderungen gestellt, da sie mit den Video- und Audio-Inhalten synchronisiert werden müssen. Erst durch die Synchronisation wird die Verständlichkeit der Inhalte möglich sein.
Das W3C unterscheidet zwischen
reinem Video,
reinem Audio und
synchronisiertem Multimedia.
Synchronisiertes Multimedia sind Audio- oder Videoinhalte, die
Informationen in mindestens einem weiteren Format enthalten ( z.B. ein Film mit Audio- und Videoinhalten oder untertitelte reine Videos) und/oder
zeitabhängige Darstellung bieten (z.B. automatisch ablaufende Präsentationen oder Spiele)
Alternativen für Multimedia-Inhalte können auf zwei Arten realisiert werden:
Nicht-synchrone Alternativen:
Für Video-Inhalte und reine Audio-Inhalte (wie ein Podcast) kann eine Textabschrift angeboten werden. Eine Textabschrift für Multimedia ist i.d.R. ein Dokument, das die Video- und/oder Audioinhalte in Textform bietet. Dabei kommen diverse Anforderungen zum Tragen, angefangen bei der richtigen Reihenfolge der Texte über die Beschreibung rein visueller oder rein auditiver Inhalte bis hin zu Ersatzfunktionen für interaktive Inhalte in der Multimedia. Die Textabschrift gilt für Audio, Video und Multimedia und ist vor allem auf Konformitätsstufe AAA fast unverzichtbar. Als Alternative kann auch Audio eingesetzt werden (bei Video).
Synchrone Alternativen:
Vor allem für Multimedia stellen die Möglichkeiten der Synchronisation von Untertiteln und Audiodeskription eine Alternative zur Textabschrift dar. In den Techniken zu den Richtlinien wird die Synchronisation der Alternativen mit SMIL und Flash beschrieben.
In den WCAG20 werden unterschiedliche und sich teilweise überlappende Anforderungen für Alternativen formuliert, mit denen die einzelnen Konformitätsstufen für Audio- und Video-Inhalten erreicht werden können:
Maßnahmen bei Multimedia auf der Basis der drei Konformitätsstufen
Es folgt eine detaillierte Beschreibung der Alternativen für Multimedia-Inhalte gemäß den WCAG20:
Alternativen für reine Audio-Inhalte
Konformitätsstufe A: Wenn reine Audio-Inhalte wie Podcasts angeboten werden, dann benötigen sie bereits auf Konformitätsstufe A eine textliche Alternative. Die textliche Alternative kann dabei verschiedene Formen annehmen von einem einzelnen HTML-Dokument mit einer Textabschrift bis hin zu dynamisierten Untertiteln.
Konformitätsstufe AAA Für Live-Audio-Streams wird eine Textabschrift erst auf der Konformitätsstufe AAA gefordert.
Alternativen für reine Videoinhalte:
Bei reinen Videoinhalten gilt die Forderung nach einer textlichen Alternative für aufgezeichnete Videos. Für die Konformitätsstufe A kann der Video-Inhalt aber auch durch eine Audiospur zugänglich gemacht werden. Wenn Video-Inhalte durch Audio-Inhalte ergänzt werden und beide Inhalte synchronisiert werden, dann handelt es sich bei dem Inhalt um Multimedia und es ist zu prüfen, ob die Multimedia ergänzende Untertitel für die Konformitätsstufe A benötigt.
Alternativen für synchronisierte Medien
Synchronisierte und zugleich barrierefreie Medien sind eine große Herausforderung. Wegen der hohen Informationsdichte in Videos oder Animationen sowie der zeitabhängigen Darstellung ist es schwierig, komplexe Multimedia-Inhalte zugänglich zu machen.
Konformitätsstufe A Bereits auf Konformitätsstufe A benötigt Multimedia Untertitel als Alternative für Audio-Inhalte; als Alternative für Video-Inhalte können hingegen wahlweise Text- oder Audio-Inhalte eingesetzt werden.
Konformitätsstufe AA Auf der Konformitätsstufe AA benötigen Audio-Inhalte in Live-Multimedia, z.B. einem Webinar oder eine Fernsehübertragung, Untertitel – sicher eine große Herausforderung. Ebenfalls auf der Konformitätsstufe AA ist Audiodeskription für aufgezeichnete Multimedia zu berücksichtigen – hier müssen qualifizierte Texter und Sprecher eingesetzt werden.
Konformitätsstufe AAA Auf der Konformitätsstufe AAA können Textabschriften für Audio-Inhalte (Dialoge, handlungsrelevante Geräusche und der Zusammenhang zu den visuellen Inhalten) und Video-Inhalte (handlungsrelevante visuelle Handlungen, Mimik, Landschaften usw. und der Zusammenhang zum auditiven Inhalt) geboten werden ebenso wie synchronisierte, zuschaltbare Gebärdensprachfilme. Die Anforderung der erweiterten Audiodeskription ist hingegen wegen der fehlenden Unterstützung in Multimedia-Playern noch nicht praxistauglich.
Damit Videoinhalte für blinde bzw. Audioinhalte für gehörlose Menschen besser zugänglich sind, sollten Audiodeskriptionen und Untertitel bzw. Gebärdensprache mit Multimedia synchronisiert werden. Auf Textabschriften sollte dabei nicht verzichtet werden.