Bei der Textversion geht es um alternative Versionen von Inhalten, also eine parallele Darstellung eines Inhalts, der (im Gegensatz zum Original) barrierefrei gestaltet wird. Es ist zudem eine Voraussetzung für barrierefreies Webdesign: Für einzelne Inhalte, die nicht für alle zugänglich oder nutzbar sind, muss ein Link zu einer zugänglichen bzw. nutzbaren Alternative berücksichtigt werden. Diese alternative Version eines Inhalts ist vermutlich das umstrittenste Thema aus dem Bereich des barrierefreien Webdesigns seitdem die WCAG10 in 1999 veröffentlicht wurde.
Obwohl eine alternative Version eines Inhalts durchaus zur Barrierefreiheit beitragen kann, so hat die in der Praxis oft festzustellende parallele Version eines Webauftritts niemals zu den Anforderungen der Barrierefreiheit gehört. Vielmehr soll nach der Richtlinien für barrierefreie Webinhalte in Einzelfällen überlegt werden, wie nicht barrierefreie Inhalte barrierefrei umgesetzt werden können.
Wenn eine barrierefreie Alternative eines Inhalts berücksichtigt werden muss, dann muss die Alternative auf barrierefreie Weise von der nicht barrierefreien Seite aufgerufen werden können. Dies ist ein entscheidender Aspekt bei der Bereitstellung alternativer Versionen, denn Nutzer sollten auf die barrierefreie Version ohne zusätzliche Hürden gelangen können. Andersrum formuliert: Wenn etwas nicht barrierefrei ist, wie soll jemand, der auf die Barrierefreiheit angewiesen ist, zur barrierefreien Version gelangen?
Insbesondere mit Inkrafttreten des deutschen Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) 2002 erhielt das Thema "Textversion" neuen Aufwind in Webdesigner-Kreisen. Was in den Argumenten für eine Textversion oft vernachlässigt wurde und wird, ist, dass der korrekte und sinnvolle Einsatz von Webstandards die Berücksichtigung einer Alternative normalerweise überflüssig machen. Es gehört zum Handwerk eines jeden professionellen Webentwicklers, die Webstandards des W3C korrekt zu beherrschen. Immerhin, die gängigsten Webstandards wie HTML und CSS gibt es schon seit Mitte der 1990er Jahre.
Wer nach den Richtlinien für barrierefreie Webinhalte parallele Versionen von Inhalten für verschiedene Nutzergruppen aufbereitet, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass die Seiten gerade dadurch nicht barrierefrei sind, denn eine barrierefreie und damit auch standardkonforme Seite braucht keine Alternative. Auch wenn es Ausnahmen gibt und manche Webstandards aufgrund der mangelnden Zugänglichkeitsunterstützung nicht barrierefrei umgesetzt werden können, so handelt es sich um Einzelfälle.
Es gibt verschiedene technische und inhaltliche Gegebenheiten, die eine alternative Version erforderlich machen. Beispielsweise wird HTML5 zwar in verschiedenen Browsern unterstützt, aber (im Jahr 2009) noch nicht von Screenreadern. Weil die zugrunde liegende Technik noch nicht zugänglichkeitsunterstützend ist, ist eine alternative Version mit HTML 4.01 oder XHTML 1.0 sinnvoll, um die Zugänglichkeit in Screenreadern sicherzustellen. Neben dem technischen Aspekt der Zugänglichkeitsunterstützung gibt es aber auch den Aspekt der Verständlichkeitsförderung. Wann welcher Inhalt mit welchen Inhaltsformen wie leichte Sprache, Gebärdensprache oder einer textlichen Beschreibung zu ergänzen ist, muss im Einzelfall entschieden werden.
Darüber hinaus ist neben der technischen Zugänglichkeit und der Verständlichkeitsförderung auch das Thema "Style-Switcher" relevant: Viele Webauftritte können die Konformitätsstufen der Barrierefreiheit nicht erreichen, weil Anforderungen wie das Vermeiden von blinkenden Inhalten oder die Einhaltung minimaler Kontrastverhältnisse nicht berücksichtigt werden. Auch hier lassen die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte die Möglichkeit zu, eine Alternative anzubieten. Genauso wie die Textversion gelten aber auch hier strenge Maßstäbe, denn mit einer Alibi-Funktion zur Vergrößerung der Schrift kann den Anforderungen der Barrierefreiheit in der Regel nicht genügt werden.
Übersicht
Dieser Beitrag wurde von
Jan Eric Hellbusch im November 2009 verfasst. Hellbusch ist Autor der beiden gleichnamigen Titel "
Barrierefreies Webdesign". Mit "2bweb.de" bietet er
Schulung und Beratung für barrierefreies Internet.
Lesen Sie,
warum ich mich an die Standards halte und warum das Layout mit
Cascading Style Sheets statt Tabellen oder Frames gestaltet wurde. Sollten Sie Probleme mit dem Layout haben, so finden Sie in der
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