Barrierefreies Webdesign ein zugängliches und nutzbares Internet gestalten

Gestaltung barrierefreier PDF veröffentlicht in 2005

Dieser Artikel wurde ursprünglich im September 2005 verfasst und ist erschienen im Extern: Sonderheft Barrierefreiheit im Internet der Zeitschrift "Information - Wissenschaft & Praxis", 56. Jahrgang, H. 8/2005, Wiesbaden: Dinges & Frick (ISSN 1434-4653).

Zugänglichkeit von PDF

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Audio: Zugänglichkeit von PDF als MP3 (8.3 MB)

PDF-Dokumente gehören zum Weballtag. PDF steht für "Portable Document Format" und ist vor allem gekennzeichnet durch eine plattformunabhängige und identische Darstellung von Inhalten sowie durch Sicherheitseinstellungen. Durch die kostenlose Lese-Software, den Adobe Reader, ist PDF zum de-facto Standard für den Austausch elektronischer Dokumente geworden.

Ursprünglich ist PDF dazu entwickelt worden, das Erscheinungsbild eines Dokuments auf allen Plattformen gleich aussehen zu lassen. Layout, Schrift und Farben sollten so bei jedem Nutzer angezeigt werden und sich drucken lassen, wie vom Anbieter gestaltet.

Barrierefreiheit bedeutet aber das Gegenteil: die Darstellung von Inhalten sollte sich vom Nutzer an seine individuellen Bedürfnisse anpassen lassen können. Solche Anforderungen sind beispielsweise:

Die Zugänglichkeit der meisten PDF-Dokumente liegt derzeit auf einer Skala von "gut" bis "unmöglich".

Direkte Zugänglichkeit mit "Tagged PDF"

So wie der Text und die Bilder eines PDF-Dokuments vom Autor gestaltet werden, so werden sie für den Nutzer auch angezeigt. Wenn ein Text z.B. mit einer bestimmten Schriftart und -größe formatiert worden ist, wird er auch genau so angezeigt. Kaum anders verhält es sich bei zugänglichen PDF-Dokumenten, nur dass weitere Angaben – unsichtbare Strukturinformationen ("Tags") und Lesezeichen – bei der Erzeugung des PDF-Dokuments berücksichtigt werden.

"Tagged PDF" ist die Grundlage für barrierefreie PDF-Dokumente, genauso wie gültiger (X)HTML-Code die Grundlage für barrierefreies Webdesign ist. Die Schreibweise für "tagged PDF" ähnelt in vielen Punkten (X)HTML. Der wesentliche Unterschied ist, dass (X)HTML mit einem beliebigen Texteditor bearbeitet werden kann, während zur Bearbeitung von PDF eine Anwendung wie Adobe Acrobat erforderlich ist.

"Tagged PDF" wurde mit dem Acrobat Reader 5 eingeführt. Die Funktionen wurden bis zur heutigen Version (Adobe Reader 9) weiterentwickelt, und die grundsätzliche Zugänglichkeit zu PDF ist gewährleistet.

In PDF ist z.B. folgendes möglich :

Die Barrierefreiheit von PDF zielt auch auf Benutzer ab, die auf vergrößerbare Texte, das Anpassen von Schrift- und Hintergrundfarben oder Tastaturbedienung angewiesen sind. Auch diese Aspekte setzen das "tagged PDF" voraus.

Lesezeichen: Förderung der Zugänglichkeit für Screenreader

In einem PDF-Dokument navigiert ein Screenreader-Nutzer über Lesezeichen. Lesezeichen sind quasi Links, die als Inhaltsverzeichnis aufbereitet sein müssen. Das bloße Vorhandensein von "Tags" macht ein Dokument nicht zugänglicher. Die direkte Zugänglichkeit von PDF-Dokumenten ist nur gewährleistet, wenn bei der Erstellung der Dokumente zusätzlicher Aufwand geleistet wird, etwa für die Erstellung der Lesezeichen (vgl. [4]).

Es stellt sich also zunächst die Frage, ob es nicht besser zugängliche und leichter umsetzbare Techniken wie (X)HTML gibt, die zur Darstellung von Inhalten eingesetzt werden sollen. Die meisten PDF-Dokumente im Web sollten in (X)HTML bereitgestellt werden, weil

Es gibt aber Ausnahmen, bei denen PDF besser geeignet ist, diese werden unter Implikationen für den Arbeitsprozess aufgeführt.

Darstellung am Bildschirm

Neben den Anforderungen an PDF, die durch alternative Ausgabemedien gestellt werden, ist ein weiterer Aspekt der Barrierefreiheit die visuelle Darstellung. Es geht um sehbehinderte Nutzer, die sowohl Vergrößerungsbedarf als auch Anforderungen an die farbliche Darstellung von Inhalten haben, und um Nutzer von Kleingeräten wie z.B. Personal Digital Assistants (PDAs).

Wenn ein Sehbehinderter ein Vergrößerungssystem einsetzt, so wird dabei nur ein kleiner Bildschirmausschnitt vergrößert dargestellt. Die wesentliche Einschränkung ist, dass der Nutzer dauernd horizontal scrollen muss. Um diesen Nachteil auszugleichen, wird oft vorher versucht, Texte zunächst im Dokumentenfenster zu vergrößern. Diese Funktionalität bietet der Adobe Reader auch (Funktion "Umfließen": STRG+4). Von dieser Funktion profitieren auch Nutzer von Kleingeräten (vgl. [1]).

Wie die meisten Standard-Anwendungen bietet auch der Adobe Reader eine Kontrastfunktion. Dadurch werden Text- und Hintergrundfarben eines PDF-Dokuments mit benutzerdefinierten Farben ersetzt, um z.B. Blendeffekte zu kompensieren. Eine typische Einstellung hierfür ist der weiße Text auf schwarzem Grund. Obwohl solche Farbschemata oft ohne Probleme angewendet werden können, kann ein Dokument im Adobe Reader unter bestimmten Umständen völlig unlesbar werden (vgl. [2] und [4]).

Geräteunabhängigkeit

Die Navigation in PDF-Dokumenten mit Hilfe der Tastatur ist im Adobe Reader kein Problem mehr. Barrieren entstehen aber bei längeren Textdokumenten ohne Inhaltsverzeichnis. Dieses würde die direkte Ansteuerung von Textabschnitten ermöglichen und die Bedienung vereinfachen. Der Adobe Reader hat einige neue Zugänglichkeitsfunktionen wie z.B. das automatische Scrollen. Grundsätzlich ist die Bereitstellung von Lesezeichen auch zur Verbesserung der Tastaturbedienung sinnvoll.