Barrierefreies Webdesign ein zugängliches und nutzbares Internet gestalten

Lass' mich erst fertig machen! veröffentlicht in 2013

Hinweise auf Änderungen des Kontextes

Änderungen des Kontextes sind oft eine Gratwanderung zwischen Usability und Accessibility. Es gibt viele Situationen, wo die Funktionsweise am Bildschirm für Tastaturnutzer schnell deutlich wird, aber nicht für Screenreader-Nutzer. In diesem Beitrag werden zwei Beispiele vorgestellt, die eine Kontextänderung bei Eingabe auslösen; sie sind für Tastaturnutzer im Allgemeinen nachvollziehbar, aber bei Screenreader-Nutzern im Speziellen führen sie zu Irritationen. In beiden Fällen wird der Fokus bei Eingabe manipuliert, d.h. es findet eine Intern: Änderung des Kontextes bei Eingabe statt.

Kontextabhängige Auswahllisten

Grundsätzlich sollte der Intern: Fokus nicht manipuliert werden. Dennoch gibt es Situationen, in denen die Fokus-Veränderung mit JavaScript die Nutzbarkeit fördern kann. Ein Beispiel sind mehrere voneinander abhängige Auswahllisten. Bei Auswahl eines Eintrags in einer ersten Auswahlliste wird die Liste geschlossen und deaktiviert, die nächste Auswahlliste eingeblendet und der Fokus in die zweite Auswahlliste gelegt. Diese Vorgehensweise wird für die folgenden Auswahllisten wiederholt, bis die letzte mögliche Auswahl getroffen wurde.

Das Ergebnis einer kontextuellen Auswahl: Es werden acht Auswahllisten angezeigt mit fortschreitend spezielleren Themen Das Förderportal des Bundes ist im ersten Schritt tricky für Tastaturnutzer

Da hier eine Änderung des Kontextes — eine Manipulation des Fokus — stattfindet, ist es wichtig, das Verhalten vorher anzukündigen. Beim Wechsel des Fokus von einer zur nächsten Auswahlliste sollte zwar die Beschriftung des nächsten Steuerelements vom Screenreader vorgelesen werden, aber das ist nicht zwingend gegeben; es kann also passieren, dass ein Screenreader-Nutzer nicht erfährt, dass der Fokus sich in einer neuen Auswahlliste befindet. Eine Ankündigung erlaubt es vor allem blinden Nutzern, die Dynamik zu antizipieren.

Hinweise zur Bedienung der kontextuellen Auswahl Das Formular besitzt eine Ankündigung sowie ein alternativer Zugriff

Eine Änderung des Kontextes ist im Übrigen nicht gleichzusetzen mit einer Änderung des Inhalts. Eine Änderung des Kontextes bedeutet, dass die Inhalte signifikant geändert werden. Wenn beim Bedienen oder nach Verlassen eines Steuerelements automatisch ein neues Formular erscheint oder zu einer anderen Seite weitergeleitet wird, dann handelt es sich um eine Änderung des Kontexts. Wenn hingegen ein Steuerelement verlassen und eine Fehlermeldung in der Seite eingeblendet wird, dann handelt es sich um eine Ergänzung des Inhalts.

Obwohl die Einblendung der neuen Auswahllisten als Änderung des Inhalts bewertet werden kann, ist die Manipulation des Fokus eine Änderung des Kontextes. Wegen der Manipulation des Fokus müssen Nutzer über den Umstand vorab informiert werden, nicht wegen der zusätzlich eingeblendeten Auswahllisten.

Texteingabe

Auch bei Eingabefeldern wird immer wieder gerne der Fokus aus Usability-Gründen manipuliert:

Mehrere Textfelder: Im ersten stehen drei Zahlen und der Fokus liegt im zweiten Eingabefeld

In diesem Beispiel wird der Fokus automatisch zum nächsten Eingabefeld gesetzt, wenn im ersten Feld drei Zeichen oder im zweiten Feld acht Zeichen eingegeben wurden. Die Minimalanforderung für die Barrierefreiheit in diesem Beispiel ist ebenfalls, dass das Extern, englischsprachig: dynamische Verhalten angekündigt wird und dass speziell Screenreader-Nutzer die Information über die Dynamik erhalten, d.h. Extern, englischsprachig: nicht überspringen können. Im konkreten Beispiel darf also der Fokus beim Laden der Seite nicht automatisch in das erste Feld gesetzt werden, weil eine vorangestellte Ankündigung somit übersprungen würde.