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Landmark roles mit HTML und ARIA veröffentlicht in 2012zuletzt bearbeitet in 2018

Konzept für die Seitenregionen

Mit Accessible Rich Internet Applications (ARIA) 1.0 wurden neue Möglichkeiten der strukturellen Navigation eingeführt. Mit den landmark roles kann eine Webseite in verschiedene Regionen unterteilt und für Hilfsmittel wie Screenreadernutzer ansteuerbar gemacht werden.

Es gibt insgesamt acht verschiedene Rollen, um per Tastatur ansteuerbare Regionen zu bestimmen, wobei sieben dieser Rollen vorzugsweise mit HTML-Elementen festgelegt werden sollten. Die Rollen werden nachfolgend vorgestellt.

Vier Schritte zu einer guten strukturellen Navigation

Wenn Regionen für eine Webseite festgelegt werden, dann sollten sie auch unter Intern: Berücksichtigung der strukturellen Navigation bestimmt werden. Allzu oft werden die Landmark roles – ob mit dem role-Attribut oder mit HTML-Elementen – über eine Webseite "gestreut", unnötig verschachtelt und vor allem nicht bezeichnet, was im Extremfall dazu führen kann, dass die Seite weniger zugänglich ist als zuvor. Folgende vier Punkte sollten bei der Bestimmung von Seitenregionen beachtet werden:

1. Regionen einer Webseite identifizieren

Zunächst sollten die visuell wahrnehmbaren Regionen einer Seitenvorlage ermittelt werden. Die einzelnen Regionen sollten zusammenhängende oder miteinander verwandte Inhalte enthalten. Die Regionen sollten auch großzügig (und nicht kleinteilig) sein und dabei keine Inhalte auslassen. Diese Herangehensweise darf rekursiv erfolgen, d.h. nach einer Einteilung der Seiteninhalte kann für einzelne Regionen eine weitere Unterteilung vorgenommen werden, aber für die Praxis (Navigation zu den einzelnen Regionen einer Seite per Tastatur) sollte jede überflüssige Region vermieden werden. Beispielsweise wenn eine Navigationsregion von weiteren Links gefolgt wird, dann dürfen die Links selbstverständlich in der Navigationsregion stehen.

Die grobe Einteilung einer Seite wird durch verschiedene Farben und knappen Text dargestellt

Für die Unterteilung der Webseite in Regionen ist es hilfreich, sich die einzelnen Regionen als Seitenabschnitte vorzustellen. Es sollte die Erstellung eines Inhaltsverzeichnisses möglich sein, die die Erschließung der Webseiteninhalte möglich macht. Am Ende des Prozesses soll der (Screenreader-)Nutzer von Bereich zu Bereich springen oder sich ein Inhaltsverzeichnis der Seite anzeigen lassen können.

2. Jede Region in einem eigenen HTML-Element fassen

Nachdem die Regionen festgelegt wurden, müssen sie auch softwaretechnisch identifizierbar sein. Im Allgemeinen wird dieser Schritt ohnehin befolgt: Die einzelnen Regionen der Seite benötigen ein eigenes Element wie ein DIV, das anschließend die Inhalte des Bereichs als einer Region zugehörig identifizieren wird.

<div id="nav">
  <!-- ... Die Navigationseinträge ... -->
</div>

3. Bestimmung der Rollen

Jetzt, wo die Seite in Regionen unterteilt ist, muss dem Browser auch mitgeteilt werden, welche Rolle die einzelnen Regionen haben. ARIA bietet dafür acht verschiedene Rollen. Sieben dieser Rollen können (und sollten) mit HTML-Elementen festgelegt werden. Es handelt sich dabei um die ASIDE-, FOOTER-, FORM-, HEADER-, MAIN-, NAV- und SECTION-Elemente. Die FORM- und SECTION-Elemente werden im Gegensatz zu den anderen fünf Elementen nur dann als Region identifiziert, wenn sie mit einem aria-labelledby- oder aria-label-Attribut bezeichnet worden sind. Für die Rolle "search" gibt es keine HTML-Entsprechung und das role-Attribut muss eingesetzt werden.

Rollen für Regionen
Rolle (ARIA)HTML-ElementZuordnungsmöglichkeiten
role="banner"HEADEREine Region, die Informationen über einen Abschnitt der Seite enthält (das kann das BODY-Element, aber auch ein ARTICLE-, ASIDE-, NAV- oder SECTION-Element sein). Das HEADER-Element darf auch im Kontext eines MAIN-Elements stehen. Das HEADER-Element kann mehrfach pro Seite vorkommen, erhält aber die Rolle eines Banners nur für das BODY-Element.
role="contentinfo"FOOTEREine Region, die Informationen über einen Abschnitt der Seite enthält (das kann das BODY-Element, aber auch ein ARTICLE-, ASIDE-, NAV- oder SECTION-Element sein). Das FOOTER-Element darf auch im Kontext eines MAIN-Elements stehen. Das FOOTER-Element kann mehrfach pro Seite vorkommen (und enthält typischerweise Informationen zum Abschnitt wie z.B. Autor, Copyright-Informationen oder Links zu verwandten Dokumenten), erhält aber die Rolle einer Inhaltsangabe nur für das BODY-Element.
role="complementary"ASIDEEin Abschnitt der Webseite, der zwar mit dem Inhalt verwandt sein kann, aber aussagekräftig bleibt, wenn er vom eigentlichen Abschnitt getrennt wird. Die Inhalte erhalten die Rolle einer ergänzenden Region.
role="form"FORM aria-labelledby
FORM aria-label
Eine Region, die eine Ansammlung von Formularelementen und Anweisungen enthält, die als Ganzes zu einem Formular kombiniert wird. Ein FORM-Element wird nur dann zu einer anspringbaren Seitenregion, wenn es mit einem aria-labelledby- oder aria-label-Attribut bezeichnet wird.
role="main"MAINDer Hauptinhalt eines Dokuments. Die Rolle darf nur einmal pro Seite vorkommen.
role="navigation"NAVEin Abschnitt der Webseite mit Links, um zu anderen Webseiten oder imnerhalb einer Webseite zu navigieren. Nicht alle Abschnitte mit Links müssen mit der Rolle "navigation" identifiziert werden; wenn FOOTER oder ASIDE besser geeignet sind, dann kann auf NAV verzichtet werden.
role="region"SECTION aria-labelledby
FORM aria-label
Eine Region, die wichtig genug ist, dass Nutzer direkt dorthin navigieren können sollen. Ein SECTION-Element wird nur dann zu einer anspringbaren Seitenregion, wenn es mit einem aria-labelledby- oder aria-label-Attribut bezeichnet wird.
role="search"DIV role="search"Eine Region, die eine Suchfunktion einschließlich etwaiger Anweisungen enthält. Für diese Rolle gibt es keine Entsprechung in HTML.

4. Regionen eindeutig bezeichnen

Jede Region einer Webseite sollte eindeutig identifizierbar sein. Wenn eine bestimmte Rolle nur einmal auf einer Webseite vergeben wird (was im Allgemeinen für die Rolle "main" und für die Rollen "banner" und "contentinfo" nach der ARIA-Spezifikation ebenfalls gelten sollte) so kann auf eine autorenseitige Beschriftung für diese Regionen verzichtet werden.

Eine Landmark role wie "navigation" kommt auf den meisten Webseiten aber mehr als einmal vor. Wenn eine Seite über eine Hauptnavigation, eine Fußleiste, eine Brotkrumennavigation und andere Navigationsbereiche verfügt, besitzen sie alle die gleiche Rolle und werden alle z.B. als "Navigationsregion" in einem Screenreader identifiziert. Regionen sollten deshalb Intern: unterscheidbar sein.

Die "Überschriften" für Regionen sollten darüber hinaus beschreibend sein. Aussagekräftige Bezeichnungen sind dann gewählt, wenn eine Auflistung der Bezeichnungen – etwa in einem Inhaltsverzeichnis – Intern: außerhalb des Kontextes einen guten Überblick über Seitenaufbau und -inhalte geben.

Hinweis: Bezeichnungen für Regionen sind nicht immer notwendig. Die Bezeichnung einer Region ist dann notwendig, wenn Extern: mehrere Regionen mit der gleichen Rolle auf einer Seite vorkommen. Darüber hinaus sollten Regionen mit der Rolle "form" oder "complementary" ebenfalls bezeichnet werden.

ARIA bietet zwei Möglichkeiten, Regionen einer Webseite individuell zu bezeichnen:

Beschriftung mit aria-labelledby

Wenn eine Region eine sichtbare Überschrift (oder einen anderen Text) aufweist, dann kann die Überschrift als Beschriftung für die Region herangezogen werden:

<nav id="pageFooter" aria-labelledby="pageFooterLabel">
  <header aria-hidden="true">
    <h6 id="pageFooterLabel">Seitenabschluss</h6>
  </header>
  ... der Seitenabschluss ...
</nav>

Um Redundanzen zu vermeiden (ohne aria-hidden="true" würde ein Screenreader "Navigationsregion Seitenabschluss Überschrift Seitenabschluss" ausgeben), wird die Überschrift aus dem Lesefluss entfernt. Diese Technik zur Bezeichnung einer Region sollte nur für sichtbare Überschriften genutzt werden.

Beschriftung mit aria-label

Wenn keine sichtbaren Texte vorhanden sind, die zur Beschriftung herangezogen werden könnten, so kann die Region direkt mit einem aria-label-Attribut bezeichnet werden:

<nav id="pageFooter" aria-label="Seitenabschluss">
  ... der Seitenabschluss ...
</nav>

Überprüfung von Regionen

Das Testen einer Webseite auf eine sinnvolle Unterteilung in Regionen erfordert den Einsatz von Werkzeugen:

  1. Es gibt Intern: Werkzeuge, die es erlauben, die vom Browser an den Accessibility-Tree übermittelten Informationen zu überprüfen.
  2. Die Überprüfung der Rollen kann auch im DOM erfolgen. Die Web Accessibility Toolbar kann beispielsweise die Zuweisung von role-Attributen im Browser anzeigen.

    Regionen einer Seite werden mit ihren Rollen beschriftet

Ob ein Screenreader die Informationen tatsächlich abholt, ist mit beiden Vorgehensweisen nicht überprüfbar. Eine vernünftige Einschätzung der Regionen und deren Zugänglichkeitsunterstützung kann nur mit Screenreadern auf aktuellen Browsern überprüft werden. Bei der Entwicklung solcher Navigationskonzepte sollte in jedem Fall mit dem kostenfreien Screenreader Extern, englischsprachig: NVDA oder mit der Demo-Version des kommerziellen Screenreaders Extern: JAWS getestet werden; besser noch ist die Einbindung von blinden Nutzern bei der Überprüfung.