Navigieren mit Shortcuts veröffentlicht in 2001/2006

Shortcuts als Stolperfalle für Webentwickler

Viele Webseiten weisen hinsichtlich der Tastaturbedienung Optimierungsbedarf auf: mit der Tastatur wird im Allgemeinen linear gearbeitet - die Inhalte und deren Reihenfolge wird aber am (zweidimensionalen) Bildschirm entwickelt und dargestellt. Und weil die meisten Webentwickler auch einen Mauszeiger benutzen, wird die Frage nach der linearen Tastaturbedienung meist nicht vordergründig behandelt. Wenn die Bedienung mit der Tastatur dann doch berücksichtigt werden soll, scheinen Shortcuts die ideale Lösung zu sein, um Tastaturnutzern den Zugang zu Links und Steuerelementen zu erleichtern.

Leider wird der Ansatz, Links und Steuerelemente umfassend mit accesskey-Attributen zu belegen, scheitern. Probleme sind:

Tastaturnutzung auf Webseiten

Die Bedienung von Webseiten mit der Tastatur ist relativ eingeschränkt. Es gibt allgemein vier Möglichkeiten, um mit der Tastatur durch eine Webseite zu navigieren:

  1. Die Navigation über HTML-Strukturelemente (strukturelle Navigation),
  2. Die Verwendung der Tabulatorentaste,
  3. die Suche nach Text mit der Suchfunktion des Browsers und
  4. die Verwendung von Tastaturkürzeln.

Die Intern: strukturelle Navigation wird von der Zugangssoftware (z.B. den Browser oder den Screenreader) bereitgestellt und setzt den semantischen Seitenaufbau voraus. Der Browser Opera bietet von Haus aus einige Möglichkeiten der strukturellen Navigation, etwa das Springen von Überschrift zu Überschrift. Für Firefox gibt es für diese Art der Navigation die Erweiterung Extern, englischsprachig: Heading Map. Vor allem Screenreader bieten aber ausgereifte Tastenbefehle für das Navigieren über die Strukturmerkmale einer einzelnen Seite.

Die Verwendung der Tabulatorentaste kann auf Seiten mit vielen Links und Steuerelementen müßig werden, denn durch das "Tabben" wird jeder Link und jedes Steuerelement angesprungen. Ein weiterer Aspekt bei dieser Art der Navigation ist die Reihenfolge der Elemente im Quelltext: Sie werden allgemein in der Reihenfolge angesteuert, wie sie im Quelltext vorkommen. Webgestalter haben die Möglichkeit, die Reihenfolge mit Intern: tabindex zu beeinflussen, aber sinnvoll wird diese Technik erst bei dynamischen Anwendungen.

Vor allem wenn sich die Bedienung einer Webseite mit den ersten beiden Möglichkeiten als kompliziert oder unmöglich erweist, kommt oft die Suchfunktion des Browsers zum Einsatz. Für sehende Tastaturnutzer ist es dann möglich, direkt zu einer bestimmten Stelle der Webseite zu springen. Für Screenreader-Nutzer setzt diese Methode des Navigierens allerdings die Intern: konsistente Identifizierung von Seitenelementen voraus.

Das Anbieten von Tastaturkürzeln – durch die Vergabe von accesskey-Attributen, damit Links oder Funktionen direkt angesteuert werden können – bringt andere Probleme mit sich. Durch fehlende Konventionen werden Tastaturkürzel von Webanbietern unterschiedlich belegt. Darüber hinaus bieten verschiedene Browser unterschiedliche Funktionalitäten zum Aufrufen von Links, die mit Tastaturkürzeln belegt sind. Beispielsweise:

Vermittlung der Tastenkurzbefehle

Fast alle zurzeit erhältlichen grafischen Browser geben dem Nutzer die auf einem Webauftritt bereitgestellten Shortcuts nicht aus. Das Extern, englischsprachig: W3C empfiehlt, Buchstaben, die als Kürzel dienen, vom Browser anzeigen zu lassen, etwa wie die unterstrichenen Buchstaben für Shortcuts in Windows-Anwendungen oder Anzeige der Buchstaben neben dem Link, wie unter MacOS üblich. Derzeit obliegt es dem Webgestalter, dem Nutzer mitzuteilen, mit welchen Tastaturkürzeln welche Links aufgerufen werden können.