Barrierefreies Webdesign ein zugängliches und nutzbares Internet gestalten

Das i-Tüpfelchen der Barrierefreiheit veröffentlicht in 2010

Strategie der Fehlervermeidung

Bei einer HTML-Validierung handelt es sich zunächst um eine Strategie zur Fehlervermeidung und nicht um eine Optimierungsstrategie. Eine Validierung kann "nur" offensichtliche Fehler auf einer technischen Ebene feststellen. Aussagen über die Barrierefreiheit sind aufgrund eines validen HTML-Dokuments nur sehr eingeschränkt möglich.

Die Einhaltung aller Webstandards ist für die Konformität mit den Richtlinien für barrierefreie Webinhalte nicht zwingend erforderlich, sondern gilt als Extern, englischsprachig: best practice. Ein häufiger Fall, in dem nicht genau nach den Webstandards gearbeitet werden kann, ist CSS, weil in bestimmten Situationen Extern: Hacks für eine browserübergreifende gleiche Darstellung erforderlich sind. Auch wenn die Validierung gegen alle technischen Standards erfolgt, so kann dadurch nichts über die Zugänglichkeit und schon gar nichts über die Nutzbarkeit einer Webseite gesagt werden. Es werden aber mit der Validierung Voraussetzungen für die technische Aufbereitung von Dokumenten geschaffen, die die Zugänglichkeit der Inhalte in verschiedenen Anwendungen erlauben.

Bei der Validierung geht es zunächst darum, nicht spezifizierte Schreibweisen zu vermeiden. Einige HTML-Elemente und Attribute waren nie Teil einer HTML-Spezifikation und sollten deshalb nicht eingesetzt werden. Ein Beispiel für ein nicht-spezifiziertes Element ist MARQUEE, das zur Erzeugung von Laufschriften genutzt wird. Abgesehen davon, dass dieses Element nicht von allen Browsern unterstützt wird, führt es gelegentlich zum Crash von Screenreadern.

Zahlreiche weitere Elemente und Attribute, die noch in den 1990ern genutzt wurden und hauptsächlich Layoutaufgaben erfüllten, können heute problemlos über CSS umgesetzt werden. Diese Elemente werden deshalb vom W3C als veraltet eingestuft. Zu den als veraltet eingestuften Elementen und Attributen gehören beispielsweise das U-Element (Unterstreichung) sowie alle Attribute für Extern: FONT, wie face, color oder auch size. Viele dieser Elemente und Attribute sind in der strengen Intern: Dokumenttypdeklaration (strict) nicht zugelassen; es ist diesen Elementen und Attributen teilweise "geschuldet", dass es überhaupt Übergangs-DTDs (transitional) als Alternativen zu den strengen Varianten gibt.

Eine HTML-Validierung kann bei der Extern, englischsprachig: Klärung von eindeutigen Beziehungen zwischen einzelnen Inhalten unterstützen. Beispielsweise sind ID-Werte in bestimmten Situationen wichtig für die Zugänglichkeit. Wenn Extern: komplexe Datentabellen über headers-Attribute für die einzelnen Zellen zugänglich gemacht werden, dann ist die eindeutige Identifizierung der Überschriftenzellen für die Zugänglichkeit notwendig. Ein HTML-Validator wird allerdings nur feststellen können, ob ID-Werte für Überschriftenzellen doppelt vergeben wurden. Ob die Verknüpfung von Überschriftenzellen mit Datenzellen mittels headers-Attributen korrekt ist, muss in Abhängigkeit der Tabelleninhalte Intern: manuell ermittelt werden.

Die Verknüpfung von Formularbeschriftungen mit Steuerelementen ist ein ähnlich gelagertes Beispiel. Jedes Formularelement benötigt eine Beschriftung Extern, englischsprachig: mit einer eindeutigen Zuweisung der Beschriftung zum Steuerelement. Wenn Steuerelemente nicht über diese Verknüpfung identifiziert werden können, dann werden vor allem komplexe Formulare in einem Screenreader kaum noch bedienbar. Voraussetzung für solche Verknüpfungen ist ebenfalls die Vergabe eindeutiger ID-Werte für die Steuerelemente.

Mit der Validierung können außerdem kleinere Fehler aufgespürt werden, die zwar oft nicht auffallen, aber irgendwann zu Extern, englischsprachig: Kompatibilitätsproblemen führen können. Ob die korrekte Verschachtelung von HTML-Elementen, die Verwendung zulässiger Attribute oder das Schließen geöffneter Tags … bereits kleine Mängel in der Realisierung solcher Feinheiten können dazu führen, dass Software die Inhalte falsch aufbereitet. Auch die Verwendung von Attributen ohne Anführungszeichen oder die fehlende Trennung von Attributen mit Leerzeichen können zu Zugänglichkeitsproblemen führen.

HTML-Dokumente, die eine Validierung erfolgreich bestehen, sind zwar formal korrekt aufgebaut, aber nicht notwendigerweise fehlerfrei im Sinne der Zugänglichkeit und Nutzbarkeit. Ein HTML-Validator wird z.B. für den folgenden HTML-Schnipsel keine Fehlermeldung liefern:

<a href="unsinn">
  Linktext
</a>

Weil in der Dokumenttypdefinition als Wert für das href-Attribut ein Inhalt des Typs CDATA gefordert wird, ist die Schreibweise formal richtig. Der Code-Schnipsel wird also validieren, ist aber weder zugänglich noch nutzbar.

Während das Beispiel mit dem Link ein allgemeines Problem für alle Nutzer darstellen wird, gibt es zahlreiche weitere Beispiele, die konkret in den Richtlinien für barrierefreie Webinhalte angesprochen werden. Ein Aspekt der Barrierefreiheit, der durch eine Validierung nicht aufgedeckt werden kann, ist z.B. die Intern: Linearisierbarkeit. Wenn ein Tabellenlayout verwendet wird, dann kann dieses nach der HTML-Spezifikation richtig aufgebaut sein. Sind aber die Tabelleninhalte nicht linearisierbar, dann entspricht die Seite nicht den Webstandards zur Barrierefreiheit. Diese und zahlreiche andere Beispiele zeigen, dass trotz formaler Einhaltung der HTML-Regeln weitergehende Anforderungen für die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit erfüllt werden müssen.