Barrierefreiheit im Überblick veröffentlicht in 2007

Sieben Säulen des barrierefreien Webdesigns

Barrierefreiheit kann zahlreiche unterschiedliche Szenarien umfassen. Wie sollen Webentwickler oder Screendesigner, die womöglich zum ersten Mal vor den Anforderungen der Barrierefreiheit stehen, dennoch einen barrierefreien Auftritt für eine möglichst große Zielgruppe schaffen?

Es ist verständlich, dass Designer und Entwickler nach Extern: Checklisten verlangen. Checklisten können jedoch nur eingeschränkt zur Bewertung der Barrierefreiheit genutzt werden und decken kontextabhängige Aspekte nur teilweise ab. Ein Problem ist, dass die vielfältigen Arbeitsweisen behinderter Nutzer in solchen Listen kaum berücksichtigt werden können.

Im Folgenden werden sieben Säulen der Barrierefreiheit vorgestellt. Mit dem Verständnis dieser Themenkomplexe sind zumindest die groben Anforderungen der Barrierefreiheit umsetzbar. Die zugehörigen Fragestellungen reichen aber mit Sicherheit nicht aus, um die Barrierefreiheit eines Webangebots abschließend zu beurteilen.

Textorientierung

Webseiten werden nicht nur in grafischen Browsern dargestellt. Wenn z.B. ein Screenreader eingesetzt wird, sind grafische Inhalte ohne geeignete Textalternativen nicht verständlich. Gleiches gilt für Multimedia, wenngleich die Textorientierung in Videos und Flash-Anwendungen etwas komplexer ist als bei Grafiken: Neben Alternativtexten für grafische Inhalte und Objekte müssen Aspekte der Dynamik beachtet werden.

Folgende Fragen müssen beantwortet werden, um die Anforderungen der Textorientierung zu erfüllen:

Gerade die Erstellung alternativer Inhalte für Multimediaformate kann komplex werden. Auch geht es hier nicht alleine um Nutzer, die den Inhalt nicht sehen können, sondern auch um gehörlose Nutzer, die z.B. die Inhalte von Podcasts nicht nutzen können und auf Textalternativen angewiesen sind.

Kontraste und Farben

Die Wahrnehmung am Bildschirm kann durch ein vermindertes Sehvermögen stark beeinträchtigt sein. Bei diesem Themenkomplex sind folgende Fragen relevant:

Skalierbarkeit

Ist ein Nutzer auf stark vergrößerte Schriften angewiesen, so wird er ein Intern: Vergrößerungssystem einsetzen. Wenn jedoch "nur" eine etwas größere Schrift gewünscht ist, dann benötigt er skalierbare Schriften mit anpassbarem Layout.

Die Zoomfunktionen der Browser allein sind nicht immer ausreichend. Vielmehr sind folgende Kriterien zu erfüllen:

Linearisierbarkeit

Am Bildschirm sind Kopfzeile, Navigation und Inhalt meist klar durch Position, Farbe und andere Gestaltungsmerkmale unterscheidbar, in linearer Software wie einer Sprachausgabe wird der komplette Inhalt jedoch sequenziell aufbereitet. Wenn also im Quelltext der Text erst nach einer Kopfzeile und einer umfangreichen Navigation im Quellcode steht, dann werden sie bei linearer Nutzung erst zum Schluss ausgelesen. Diesem Problem entgegnen Screenreader, Vergrößerungssysteme, Browser und andere Hilfsmittel durch erweiterte Funktionen zum Springen innerhalb einer Seite und ermöglichen dadurch eine strukturelle Navigation mit der Tastatur.

Obwohl ein strukturierter Seitenaufbau mit Überschriften, Listen und Absätzen Voraussetzung einer barrierefreien Nutzung ist, muss auch die Reihenfolge der Inhalte in sich schlüssig sein. Deshalb müssen die folgenden beiden Fragen positiv beantwortet werden:

Geräteunabhängigkeit und Dynamik

Die Geräteunabhängigkeit ist ein Hauptziel der Barrierefreiheit. Eng verknüpft mit der Linearisierbarkeit spielt dabei die Bedienbarkeit des Webangebots mit der Tastatur eine wichtige Rolle. Kritisch sind in diesem Zusammenhang vor allem dynamische Skripte und andere clientseitige Anwendungen.

Auch wenn die Barrierefreiheit von JavaScript-Anwendungen ein Fass ohne Boden werden kann, muss man zumindest die folgenden Fragen mit "Ja" beantworten können:

Verständlichkeit, Navigation und Orientierung

Barrierefreiheit umfasst viele Aspekte der Verständlichkeit, Navigation und Orientierung und zwar aus der Sichtweise verschiedener Nutzergruppen. Für einen ersten Eindruck sind folgende Fragen hilfreich:

Außerdem muss die Frage nach der Bereitstellung von Inhalten in Leichter Sprache und Gebärdensprache gestellt werden. Diese Anforderung ergibt sich aus der Intern: Definition der Barrierefreiheit.

Strukturierte Inhalte

Der korrekte Einsatz von HTML-Strukturelementen fördert die Nutzbarkeit vor allem in linearen Medien, da sie ein strukturelles Navigieren ermöglichen. Zudem müssen komplexere HTML-Konstrukte wie Tabellen, Formulare oder auch Listen korrekt ausgezeichnet werden, um mit Screenreadern sinnvoll interpretiert werden zu können. Deswegen sollten zusätzlich zu den unter "Linearisierbarkeit" aufgeführten Fragen noch die folgenden gestellt werden:

Die sinnvolle Strukturierung der Inhalte ist die Grundlage für die Trennung von Inhalt (HTML), Präsentation (CSS) und Verhalten (JavaScript bzw. DOM-Scripting). Diese Trennung der verschiedenen Ebenen ist wiederum Basis für die Standardkonformität eines Webangebots und ein nachweisbares Qualitätsmerkmal der Barrierefreiheit.